Wie streng ist das „Euro Blatt”?
Ab Juli 2010 hat die Europäische Union ein neues Logo für alle verpackten Bioprodukte, die in einem Mitglieds-Staat hergestellt werden. Bei dem neuen Logo sind die EU-Sterne in Form eines Blatts vor einem grünen Hintergrund angeordnet:
http://ec.europa.eu/agriculture/organic/logo/voting/logo_1_de.htm
Das neue Logo, genannt „Euro-Blatt“, steht für Natur und Europa und soll andere private, regionale oder nationale Labels nicht konkurrieren. Gemäss Urs Niggli, dem Direktor des Forschungsinstituts für biologischen Landbau (FiBL) in der Schweiz, sind dies begrüßenswerte Eigenschaften.
Dies mag erstaunen, wenn man bedenkt, dass die Schweizer Knospe, das schweizerische Gütesiegel für biologisch angebaute Produkte strenger als das “Euro-Blatt” ist. Die Bio-Knospe der Schweiz steht für eine gesamtbetriebliche Bioproduktion (geschlossener Kreislauf) und natürliche Vielfalt auf dem Biohof, für besonders artgerechte Nutztierhaltung und -fütterung, den Verzicht auf den Einsatz von Gentechnik und von chemisch-synthetischen Spritzmitteln und Kunstdüngern, den Verzicht auf unnötige Zusatzstoffe (wie Aroma- und Farbstoffe) und für die schonende Verarbeitung der Lebensmittel.
Wahrend die Bio-Knospe auf „Bio, ganz oder gar nicht.“ setzt, können die Bio-Höfe in der Europäischen Union auswählen, was sie biologisch anbauen und was nicht. Diese Aufteilung ist in der Schweiz nicht möglich. Bei einem Schweizer Bio-Betrieb wird alles biologisch hergestellt. Das schweizerische privatwirtschaftliche Signet Knospe hat sich seit 1981 in der Schweiz als Bio- Marke bewährt.
Wird das neue Euro-Label mehr Transparenz schaffen können?
Die Idee der einheitlichen Logo-Entwicklung ist nicht neu, denn bereits seit 1997 existiert für diesen Zweck eine ganze Logo-Familie in Europa. Diese konnte sich jedoch aus diversen Gründen nicht auf allen Märkten der Europäischen Union durchsetzen. Ganz anders als zum Beispiel das Bio-Siegel in Deutschland, dessen Bekanntheitsgrad extrem hoch ist seit der Einführung 2001. Rund 3 300 Unternehmen nutzen das Bio-Siegel für mehr als 55 000 Produkte.
Da ist zum Beispiel aber auch „Demeter“, ein geschütztes Markenzeichen, unter dem nach anthroposophischen Prinzipien „biologisch-dynamisch“ erzeugte Produkte verkauft werden. Das Demeter-Symbol wird seit 1928 verwendet. Die Verwendung des Demeter-Logos wurde seit seinem Bestehen kontrolliert. Kennzeichnungen wie Bio oder Öko wurden jedoch erst 1992 Regelungen unterworfen.
Wettbewerb als Kommunikationsmittel
Das “Euro-Blatt” wurde in einem Wettbewerb ausgewählt, bei dem eine internationale Jury zunächst eine erste Vorauswahl aus rund 3500 Vorschlägen traf. Danach wurde per Abstimmung im Internet öffentlich bestimmt, wer den Preis davon trägt. 63% aus insgesamt 130′000 sich an der Abstimmung beteiligenden Personen (bei ca. 500 Millionen EU-BürgerInnen) erkoren den Sieger, einen Studenten aus Deutschland, und haben damit entschieden, welches Logo die Europäische Union von nun an „etwas grüner machen soll“.
Der Wettbewerb, an dem sich ausschließlich Designstudenten aus allen EU-Mitgliedstaaten beteiligen durften, stand von Beginn an in der Kritik. Da die Angesprochenen lediglich eine Auswahl von drei Entwürfen aus den eingesandten 3422 Vorschlägen hatten ( die anderen wurden von einer Jury zuvor ausgesiebt) meinen viele, dass eine wirkliche Auswahl anders hätte aussehen müssen. Die Preisrichter prüften sämtliche Arbeiten nicht nur anhand des Kriteriums Kreativität und Originalität, sondern auch anhand der Berücksichtigung der vielfältigen Aspekte von biologischen Lebensmitteln und Biolandwirtschaft. Dieses Kriterium sollte, so meine ich, im UNO Jahr der Biodiversität (und Agrobiodiversität) tatsächlich eine besondere Bedeutung gewinnen.
Doch beurteilen Sie selbst die dann tatsächlich getroffene Vorauswahl und bilden Sie Ihre Meinung:
http://ec.europa.eu/agriculture/organic/logo/voting/voting_de.htm
Es sei nötig, europaweit ein Logo zu haben und für die Konsumenten Klarheit zu schaffen, meinte die abtretende EU- Agrarkommissarin Mariann Fischer Boel in Brüssel. Allerdings gab auch sie zu, dass „wir heute einen Dschungel von verschiedenen Logos haben“. Das werde auch in Zukunft so bleiben, denn die anderen Logos sollen nicht verschwinden.
Wann genau das neue und verbindliche Bio-Logo auf den Verpackungen ankommt steht noch nicht fest. Die Hersteller müssen zunächst die Druckdaten und Vorgaben erhalten. Das bereits produzierte Verpackungsmaterial kann noch bis zum 1. Januar 2012 aufgebraucht werden.
Wir wollen abwarten, wie wirksam sich diese Erweiterung in der Vielfalt in der Bio-Label Welt erweisen wird.
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