Lerntouren auf den Sankt Georg-Berg

von Barbara Sallee-Kereszturi am 10. September 2009

in Allgemein

Zur Beachtung: Die nächste Lerntour auf den Sankt Georg-Berg findet am Samstag, 26. September 2009, um 14.00h statt.

Weitere Informationen am Ende des Artikels.

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Oft werde ich gefragt, wie meiner Meinung nach die Balatonregion wohl in ein paar Jahren und Jahrzehnten aussehen würde. Die Region gilt als eines der schönsten in Ungarn, ja in der Zentral Europäischen Grossregion. Ich habe nicht immer hier gelebt und nehme deshalb die Entwicklungen zweifellos mit etwas anderen Augen wahr. Die Frage hat auch deshalb ihre Berechtigung und liefert nicht unbedingt die erwarteten Antworten.

Ein Blick zurück

Das Erscheinungsbild der Region hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Ich erinnere die etwas älteren LeserInnen an die Zeiten, in denen sich “Ossis” und “Wessis” am Balaton trafen und die, trotz Schwierigkeiten zweifellos einmalige und auch gemütlichere “Trabi-Kultur” mit geniessen durften.

Doch so erstaunlich dies sein mag, auch manche UngarInnen stellen mit Wehmut fest, dass es früher am Balaton in mancher Hinsicht besser war als heute. Für sie bedeutete es einen Teil der Lebensqualität, sich in einem der zahlreichen ehemaligen freien Strandbäder mit Freunden und Familie treffen zu können. Zwar ohne grossen Luxus, aber auch ohne grosse Ansprüche. Sie klagen, dass sie heute kaum mehr irgendwo mit Kind, Kegel und Hund hingehen können, ohne hohe Eintrittsgebühren zu bezahlen. Die Freiheit am Balaton (für viele Früher die einzige Ferienmöglichkeit) sei verschwunden. In der “guten alten Zeit”, noch ohne moderne Campingplätze, teilten sich mehrere Familien kleine Ferienhäuser und Bungalows, die den ganzen Sommer über ständig belegt waren. Dort waren die Umstände einfach, die Gemüter sonnig. Man erfreute sich an Kleinigkeiten wie gutes Essen und Gemeinschaft, an Touren in der Umgebung und am Baden im See.

Heute dagegen stehen manche grossen und bequemen Ferienhäuser gänzlich leer, während sich reichere Touristen Wellnessferien in Erlebnishotels gönnen. “Die Freude am Teilen und an der Gemeinschaft geht verloren”, sagen die Wehmütigen. Diese Entwicklungen können zu Spannungen führen und könnten der Region auch als Ganzes schaden.

Die starken Veränderungen der letzten Jahre sind heute auch optisch feststellbar, auch für das weniger geübte Auge. Zahlreiche infrastrukturelle Entwicklungen, veränderte touristische Angebote, ein zu Beginn boomender und nun verebbender Immobilienmarkt, Einkaufszentren, Freizeitanlagen und überall schnelle Autos prägen das heutige Erscheinungsbild.

Nebenwirkungen

Die damit einhergehenden “Nebenwirkungen”, wie die zunehmende (und oft unnötige) Bodenversiegelung, das Fällen von alten Baumalleen, leer stehende Apartmenthäuser, der erwähnte Verlust von frei zugänglichen Erholungsgebieten und mehr hektische Touristen während einer kurzer Sommersaison -um nur einige zu nennen- haben wohl mit dazu geführt, dass seit einiger Zeit viele relativ neue Hausbesitzer der Region ihre Häuser bereits nach einem kurzen Jahrzehnt wieder verkaufen und anderswo Ferienruhe suchen. Zum Beispiel in Spanien oder Kroatien. Ihre Vision vom idyllischen Häuschen mit Garten in einem unentdeckten Paradies Europashat sich in der Balaton Region nicht erfüllt.

Wie wird jedoch die Zukunft aussehen?

Junge Ökologiegruppe auf einer Lerntour.

Junge Ökologiegruppe auf einer Lerntour.

Zu den Themen Entwicklung und Zukunft führe ich gemeinsam mit fachlichen Partnern seit mehreren Jahren Touren durch. Es sind vor allem junge lokale Ökogruppen und Studenten, die im Rahmen der “Nachhaltigen Entwicklung in der Praxis”-Kurse an den Touren teilnehmen. Die TeilnehmerInnen bringen selbst viel frischen Wind und neue Ideen mit.

Feldarbeit im Rahmen ds Kurses "Humanökologie - Nachhaltigkeit in der Praxis". Eine Gruppe von Studenten der Georgikon Agrarwissenschaftlichen Fakultät der Pannon Universität, Keszthely

Feldarbeit im Rahmen ds Kurses "Humanökologie - Nachhaltigkeit in der Praxis". Eine Gruppe von Studenten der Agrarwissenschaftlichen Fakultät Georgikon der Pannon Universität, Keszthely

Doch letztes Jahr haben wir uns, motiviert durch die Nachfrage, dazu entschlossen, offene Touren für alle Interessierten anzubieten. Auf den Touren können Fragen zur Region und ihre Zukunft “gleich im Feld” beantwortet und die Entwicklungen anhand von konkreten Beispielen vor Augen geführt werden. Die Touren mit dem Titel “Landschaft und Mensch” (Táj és Ember) finden sowohl auf Ungarisch, wie auch auf Deutsch statt.

Vielseitige Lerntouren

Eines der grösseren Touren-Veranstaltungen organisierten wir mit der Stiftung für die Kommune Hegymagas und regionalen Partnern im April 2009, am Tag des Sankt Georg. An diesem Tag bestiegen hunderte von Wanderern im Rahmen der traditionellen Weintouren den Weinberg und so auch unsere Gruppen, die sich zwar zugegebenermassen eher an Traubenmost hielten. Als Ergänzung zu den Weintouren luden wir Wanderfreudige, Jugendliche, Familien und ältere Menschen auf den Sankt Georg Berg ein, um die Entwicklungen eines Weinberges und seiner Umgebung vor Ort zu zeigen. Unter dem Motto “Schönheiten und Werte” (Szépségek és értékek) einer Region war es unser Ziel, die BesucherInnen für die natürlichen und kulturellen Schätze der Umgebung zu sensibilisieren.

Wo einst Reben waren finden wir nun oftmals "englischen Rasen".

Wo einst Reben waren finden wir nun oftmals "englischen Rasen". Rasen ist zweiffellos leichter zu handhaben als Reben, vor allem wenn die Besitzer nicht immer anwesend sind. Traditionell oder gesetzesentsprechend ist er jedoch nicht.

Insgesamt führten sieben thematisch unterschiedliche Touren auf verschiedenen Routen auf den Berg. Ein grosses Dankeschön geht auch an dieser Stelle an die qualifizierten Führer des National-Parks der Oberen Balatonregion (Balaton Felvidéki Nemzeti Park) und die vortragenden Experten, die dem interessierten Publikum Kultur und Geschichte, Märchen- und Sagenwelt, Naturschätze und Ökologie des Berges mit viel Engagement näher brachten. Der Berg wurde zum Ort des Wahrnehmens und der Begriff des “Berg des Lernens” (Tanulóhegy) war geboren.

Auf zu den berühmten Basaltorgeln des Sankt Georg-Berges.

Auf zu den berühmten Basaltorgeln des Sankt Georg-Berges.

Auch unsere Geocaching-Freunde kamen zum Teil von weit her, um unsere Touren zu führen und die Jugendlichen durch die Technik für die Natur zu begeistern. Sie leisteten tolle Arbeit und hatten auch fachlich einiges zu bieten. Siehe auch: http://www.turistautak.hu und http://www.geocaching.hu

Während die Geologie- und Naturschutzexperten die Entstehungsgeschichte der Region näher führten, behandelte die von mir geführte humanökologische Tour die Themen “Landschaft und Mensch”. Das Thema ist nicht frei von Spannungen. Es geht um die oben diskutierten Themen der Entwicklung und der Zukunftsaussichten und um die Rolle des Menschen als verantwortungsvoller Teilnehmer und Mitgestalter einer nachhaltigen Entwicklung.

Auf den Touren ist es einerseits möglich, auf Gefahren hinzuweisen, anderseits entsteht auch persönliche Betroffenheit, wenn es um den eigenen Bezug zu den Entwicklungen geht. Dies zu verarbeiten fällt jedoch in verständnisvoller Gesellschaft und der wunderschönen Natur erfahrungsgemäss leichter. Gemeinsam können auch Lösungsvorschläge andiskutiert werden.

Zäune, die auch als ökologiche Korridore dienen können, erschweren das leben des Wildbestandes. Sie sind ebenfalls nicht erlaubt.

Zäune, die auch als ökologiche Korridore dienen können, erschweren das Leben der freilebenden Tiere. Solche Zäune sind deshalb ebenfalls nicht erlaubt.

Wenn im Rahmen einer solchen Tour die direkten Zusammenhänge zwischen Bautätigkeiten und der Abnahme des Tierbestandes oder zwischen den sich ausbreitenden bewässerten Grasflächen und dem Versiegen von Quellen aufgezeigt werden, wandern die Gedanken der TeilnehmerInnen zu ihrer eigenen Umgebung, ihrem Dorf, ihrer Stadt. Und Fragen tauchen auf.

Weshalb muss ein Stück fruchtbares Land für ein neues Einkaufszentrum herhalten, wenn es schon zahlreiche in der Region gibt und auch diese nicht mit Profit arbeiten? Müssen wir High-Tech Fussballplätze haben, auch wenn sich Dörfer gleichzeitig keine Schulen oder Spielplätze leisten können? Muss jeder Apfel, jedes Gemüse zunächst einmal nach Budapest, bevor wir es beim Gemüsehändler kaufen können oder gibt es Alternativen? Wie motivieren wir die Jugendlichen, in der Region zu bleiben und den traditionellen Weinbau oder Landwirtschaft zu betreiben?

Die TeilnehmerInnen der Landschaft und Mensch Tour im Frühling 2009 auf dem Sankt Georg-Berg.

Die TeilnehmerInnen der Landschaft und Mensch Tour im Frühling 2009 auf dem Sankt Georg-Berg.

Die Fragen werden natürlich beantwortet und ich zeige vielseitige Beispiele, wie auch Lösungen. Gute Ideen, Initiativen, durchdachte Konzepte.

Es liegt bei den TeilnehmerInnen, danach die Probleme in ihrer Umgebung anzusprechen und gemeinsam mit anderen Interessierten Lösungswege zu finden.

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Unsere nächste Tour “Landschaft und Mensch” findet am Samstag, den 26. September um 14.00h statt. Ausgangspunkt: Bushaltestelle Hegymagas. Rückkehr um ca. 16.30h

Ein öffentlicher Bus nach Hegymagas fährt um 13.40h von Tapolca ab und kommt um 13.58 in Hegymagas an. Weitere Fahrpläne unter: http://www.menetrendek.hu

Die Tour ist nicht kostenpflichtig, Zuwendungen an die Stiftung für die Kommune Hegymagas sind willkommen. Eine Anmeldung im Voraus ist nicht notwendig.

Für Fragen und Informationen: hegymagaskozalapitvany (at) gmail.com

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