Während die Rebberge wohl zu dieser Jahreszeit am schönsten sind, ist es gerade die regionale Jahrtausende alte Weinkultur, welche von der Frage nach der Zukunft ins Mark getroffen wird. Die noch Weinbau betreibenden Familien, die Jahr für Jahr immer weniger werden, binden zwar ihre Kinder und Enkel gezielt in die Weinlese mit ein, doch längerfristig finden die kleinen Weingüter immer weniger Nachfolger. Wenn der Besitzer mal aus Alters- oder Gesundheitsgründen den Weinanbau aufgeben muss, wird das Gut oftmals verkauft und leider nicht immer gewinnbringend.
Széll Zsuzsa (Mitte) mit ihren Töchtern Krisztina (links) und Dorottya beim traditionellen Weinleseumzug "Vom Lesence zum Balaton". Familie Széll ist nebenerwerblich im Weinbau tätig.
Die Kinder und Enkel der Weinbauern gehen ihrer Erwerbstätigkeit nicht selten außerhalb der Region nach und können den Anbau aus finanziellen Gründen nicht mehr mittragen. So erstaunlich dies klingen mag, es sind nur allzu oft die hohen Benzinpreise der Grund, weshalb die an sich noch motivierte Erben aufgeben. Sie können sich die häufigen Anfahrten nicht mehr leisten.
Kritiker meinen, es wäre sinnvoll, jungen Weinbauern, die auch neueren Technologien gegenüber offen sind und Experimentierfreude zeigen, den Anbau dort zu erleichtern, wo Weinbau bereits traditionell betrieben wird und das Profil der Region stärkt. Die nachhaltige Nutzung der Region beinhaltet auch die Offenheit zu einer Diskussion, wie die Flächen in der Region in Zukunft genutzt werden sollen. Es wird sich wie in den meisten Fällen darum handeln, die auftretenden Spannungen zwischen Ökologie und Ökonomie konstruktiv aufzulösen.