Dörfliche Entwicklung begreifbar machen

von Barbara Sallee-Kereszturi am 30. August 2009

in Das Projekt Hegymagas

Offenes Forum: Am 11. Juli trafen sich ungarisch- und deutschsprachige BewohnerInnen, Jugendliche, saisonale Gäste und Vertreter ziviler Organisationen von Hegymagas, um konkrete lokale Projekte zu erarbeiten. Gastgeberin war die Gemeinnützige Stiftung Hegymagas.
Das in dieser Art erstmals durchgeführte, Ergebnis orientierte Forum zeigte sowohl Entwicklungschancen der 300 Seelen Ortschaft und Umgebung auf, wie auch konkrete Problemlösungen.

ForumJugendlichePresentation

Jugendliche präsentieren den Erwachsenen ihre Vorstellungen. Aufnahme: Gergely Kocsis

Den Auftakt hatten die Jugendlichen, die als aktiv mit eingebundene Teilnehmer ihre Vision für die Zukunft des Dorfes präsentierten. “Der Kerngedanke ist ein, von der vielseitig zusammengesetzten Gemeinschaft mitgetragenes lebenswertes Profil zu finden und Projekte vorzuschlagen, die von den Anwesenden auch verwirklicht werden,” meint Barbara Sallee, Humanökologin, und Vorsitzende der Stiftung, die das Forum gemeinsam mit Universitätsstudenten und der örtlichen Jungen Ökologiegruppe nach international bewährten Methoden leitete.

Projekte der Bevölkerung

ForumDiskussionhegymagas.

Angeregte Diskussion im deutschen Forum. Aufnahme: Gergely Kocsis

Verkehrsberuhigung und Umweltschutz beim Weinanbau sind zwei konkret am Erwachsenen-Forum erarbeitete Beispiele, die nun verwirklicht werden sollen, welche die lokale Lebensqualität verbessern und auch wirtschaftliche Entwicklungsmöglichkeiten aufzeigen. Gemeinsam gefundene Lösungen sind zeitaufwendiger, nutzen jedoch das lokal vorhandene Wissen und sind stärker auf allen Ebenen verankert. Gerald Pennerstorfer, seit 7 Jahren hier wohnhaft, gefiel das Forum sehr, “weil die Gemeinderegierung zu wenig aktiv ist.” Áron Krén (7), der jüngste Teilnehmer fand es gut, dass die Kinder am Forum was sagen durften.

Von allen lernen

Der von rund 50 Personen besuchte Anlass, deren Ergebnisse mehrsprachig veröffentlicht werden, ist in das seit 2006 laufende nachhaltige Rahmenprogramm “Lernende Region” mit eingebunden und setzte ein gutes Beispiel in der Region. Die Veranstalter unterstützen auch Nachahmer gerne.

Kontakt: hegymagaskozalapitvany (at) gmail.com

Stimmen aus dem Offenen Forum:

Melinda Czanka (11) , die in der Hegymagas Volkstanzgruppe mitwirkt und kürzlich einen nationalen Preis gewonnen hat, weil sie die Natur- und Kulturschätze des Sankt Georg Berges vorstellte meint: “Das Beste war, dass auch wir Jugendlichen von Hegymagas sagen durften, was wir gerne wollen. Ich hoffe, unser vorgeschlagene Mädchenklub kommt nun dank der Unterstützung der Anwesenden zustande!”
Anna Krén, die hier oftmals ihre Ferien verbringt, gerne wandert und an den Strand geht, ist mit Melinda einig. Sie hat hat vorgeschlagen, dass der Bach sauberer wird, damit man wieder darin baden kann und die Forellen wiederkommen. Sie möchte auch mehr Storchennester haben, z. B. auf den Telefonmasten.
Kornélia Forika (11) freut sich, dass der kleine Dorflader nach längerer Zeit neu eröffnet wurde. Sie wünscht sich schlicht, dass “alle Menschen hier glücklich sind”.
Mag. Gerald Pennerstorfer, der seit sieben Jahren Hegymagas als ständigen Wohnsitz hat, gefiel das Forum sehr, “weil etwas passieren muss!” Seiner Meinung nach gibt es im Ort viele Leute, die etwas verbessern wollen und für die die Gemeinderegierung zu wenig aktiv ist. “Die Aufgabe des Forums war es unter anderem aufzuzeigen, wie die Stimmung in der Bevölkerung ist, dazu ist dies der ideale Rahmen, ich freue mich über das Forum,” meint der Rentner. “Wir hören ständig, dass die Regierung über zu wenig Mittel verfügt, erfahren jedoch dann auch im Nachhinein, dass gesprochene Projektgelder nicht abholt werden, wie z.B. beim Kanalisationsprojekt, bei dem rund 15 Millionen Forint nicht genutzt wurden. Informationen über die Entscheidungen der Gemeinderegierung erhalten sogar die ungarischen DorfbewohnerInnen kaum. Es erstaunt uns z. B. auch, dass bei unserer Strasse die Mütter den Kinderwagen mangels Belag nicht vor sich stossen können, während einige Weinkeller auf dem Berg mit offenbar guten Kontakten Asphaltierung bis vor die Haustüre kriegen. Die Entscheidungsprozesse und Vorgehensweisen sind schlicht nicht transparent. ”
Áron Krén (8), der jüngste Teilnehmer findet es ebenfalls gut, dass die Kinder am Forum was sagen durften. Er möchte, dass die Autos langsamer fahren und Zebrastreifen auf die Hauptstraße gemalt werden, damit er auch mal alleine zum Dorfladen oder zum Bach gehen darf. “Ich klettere gern auf den Berg,” meint Áron auch, “und finde aber oft die Wege nicht, weil die Zeichen nicht immer nachgemalt werden und die Wege auch zugewachsen sind.”

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