„Heute fahren sie an Letenye vorbei“

Umgehungsstraßen: Segen für die Einwohner, Fluch für die Gastwirte

Im September werden es zwei Jahre, dass der von Becsehely bis fast zur kroatischen Grenze verlaufende Abschnitt der Autobahn M7 übergeben wurde, dank dem nun die Reisenden von und aus Richtung Adria nicht mehr durch Letenye fahren müssen. Aufgrund der Verkehrsdaten der vergangenen zwei Jahre löste die Umgehung die in sie gesetzten Hoffnungen ein.

Von Zoltán Büki, dem Abteilungsleiter der Komitatsdirektion Zala der Magyar Közút Kht. Zala, erfuhren wir, dass die Zahl der auf der Hauptstraße 7 durch Letenye fahrenden Personenfahrzeuge seit der Übergabe der Autobahn um 10 Prozent zurückging, die Zahl der Lastfahrzeuge sank auf ein Fünftel. Doch besonders in der Touristensaison ist noch eine andere Wirkung spürbar: Früher fuhren jeden Tag im Juli und August 15.000 Autos durch die Stadt, heute sind es höchstens 5000-8000 Fahrzeuge.

Wegen des Rückgangs des Verkehrs ist die Lärmbelästigung und die Luftverschmutzung in der Gemeinde zurückgegangen, die Ortsbewohner können nun auch in den nahe der Hauptstraße gelegenen Häusern bei geöffnetem Fenster schlafen und sie müssen nicht minutenlang warten, bis sie die Straße überqueren können. Für fast 5000 Einwohner wurden die Straßen in Letenye sicherer. Nach den Daten der Komitatspolizeibehörde Zala geschah im ersten Halbjahr kein einziger Unfall mit Personenschaden in der Stadt, dafür gab es vorher lange Jahre hindurch kein Beispiel.

Doch nicht jeder freut sich, die ortsansässigen Unternehmer befürchten, dass sie wegen dem Ausbleiben der Durchreisenden früher oder später das Rollo herunterlassen müssen. Endre Ságvári, der an der Hauptstraße ein Restaurant und ein Espresso betreibt, sagt dazu, dass sein Umsatz seit der Übergabe der Autobahn um 30-40 Prozent zurückgegangen ist. Wie er sagt, war es früher üblich, dass die Reisenden in dem letzten Ort vor der kroatischen Grenze noch einen Kaffee tranken, tankten, zu Abendessen aßen und Geld tauschten. „Heute dagegen fahren sie mit einhundertzwanzig an Letenye vorbei.“ Der Modewarenhändler Attila Tizedes bringt es auf den Punkt: die „Abzapfung“ des Transitverkehrs nimmt uns die Existenz.

Nach den Worten des Bürgermeisters László Rostonics von Letenye hat der Rückgang des Transitverkehrs tatsächlich negative Folgen, doch die Stadt gewann im Ganzen mit der M7 mehr als sie verlor. Wie er sagt, war der Verkehr in der Stadt vor der Übergabe der Autobahn unerträglich, es war lebensgefährlich, die Straße zu überqueren und die Schlange der vor dem Grenzübergang wartenden Camions staute sich bis auf den Hauptplatz. In Verbindung mit den Klagen der ortsansässigen Unternehmer sagte der Bürgermeister, dass gerade im Jahr der Übergabe der Autobahn das im Eigentum der Selbstverwaltung befindliche Thermalbad und der damit verbundene Campingplatz eröffnet worden sei. Man hatte damit gerechnet, dass früher oder später der Transitverkehr zurückgehen wird und darauf gebaut, dass die die Stadt umfahrenden Reisenden von Badegästen abgelöst werden.