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Ungarn erreicht Ende der Rezension

Nach sieben Quartalen geht in Ungarn die Rezession im ersten Quartal dieses Jahres – zwei Quartale später als in der EU – zu Ende. Diese Voraussage trifft das Wirtschaftsforschungsinstitut GKI in Zusammenarbeit mit der Ersten Bank. Danach wird in der Außenbilanz wieder ein Aktiv entstehen und – wenn die Regierung es will – ist das vom Parlament verabschiedete Haushaltsdefizit erreichbar.

Das internationale Vertrauen in die ungarische Wirtschaft verbessert sich ab Mitte 2010 bedeutend, stellt die Prognose fest. Während der Leitzins der Nationalbank von 9,5 auf 5,75 Prozent gefallen ist, schwankt der Wechselkurs ohne größere Ausschläge um 270 Forint je Euro. Es besteht ferner keine Notwendigkeit, den Kreditrahmen des Internationalen Währungsfonds vollständig abzurufen, die Ausgabe ungarischer Euro- und Dollarobligationen war erfolgreich.
Die griechische Krise wirkte sich nicht negativ auf die Beurteilung der ungarischen Wirtschaft aus. Im Gegenteil, die ungarische Korrektur wird von vielen den Ländern als Beispiel hingestellt, die jetzt mit einem großen Defizit konfrontiert sind. Nach dem Ende der Rezession ist für Ungarn im gesamten Jahr 2010 nur noch Stagnation zu erwarten. Der Konsum geht noch um ein weiteres Prozent zurück, die Investitionen steigen nur um bescheidene drei Prozent, vor allem die durch die EU subventionierten Infrastruktur-Entwicklungen.

Die derzeitige und die künftige ungarische Regierung (Parlamentswahlen am 11. April) sind 2010 zur Fortsetzung einer strengen Fiskal- und Einkommenspolitik gezwungen. Das Haushaltsgesetz rechnet mit einem 3,8-prozentigen Defizit, das auch nach internationaler Einschätzung auch erreichbar ist.

Malév wieder in ungarischer Hand

Nach langen Verhandlungen mit dem russischen Haupteigentümer, der Vneshekonombank, ist die Fluggesellschaft Malév wieder vom ungarischen Staat übernommen worden. Ungarn erwarb mit der Unterzeichnung der Vereinbarung durch alle Beteiligten 95 Prozent der Anteile. Vneshekonombank bleibt jedoch einer der größten Kreditgeber, teilte das Finanzministerium in Budapest mit. Damit ist auch die zweite Privatisierung der Malév aus dem Jahre 2007 gescheitert. Eine von Boris Abramowitsch in Russland betriebene Fluggesellschaft war durch die weltweite Krise in Konkurs gegangen, seine Anteile übernahm Vneshekonombank. Die Beteiligung an dem ungarischen Unternehmen ging ebenfalls an die russische Bank.

Durch die Übernahme der Mehrheit an der Malév schaffe der ungarische Staat die Möglichkeit, dass die Gesellschaft finanziell stabil arbeiten kann. Gleichzeitig müsse jedoch das bereits begonnene umfangreiche Restrukturierungsprogramm fortgesetzt werden, damit die finanzielle Rettung der Malév möglichst wenig Steuergelder verschlingt und andererseits das Eintreten des ungarischen Staates nicht als verbotene staatliche Subventionierung verbietet. Bis 2012 solle die Malév in die Gewinnzone kommen. Dafür werde ihr Netz umgestaltet, Arbeitsplätze abgebaut, die Vereinbarungen mit den Gewerkschaften und die Verträge mit Zulieferern neu verhandelt.

Ungarn sehen schwarz für ihre Zukunft

Die Ungarn beurteilen ihre Zukunft nach wie vor pessimistisch. Einer Umfrage der Meinungsforscher des Instituts Tarki ergab, dass sie ihre Lage schlechter einschätzen als Polen, Tschechen und Slowaken. Fünf von zehn Befragten sagen, dass ihre materielle Lage gut oder durchschnittlich ist. Dagegen sagten zwei bis drei Mal so viele wie in Tschechien, Polen und der Slowakei, dass ihre materielle Situation schlecht ist. Auch mit Blick auf Jahresfrist war bei den Ungarn der Anteil derer am größten, die eine weitere Verschlechterung ihrer ohnehin nicht rosigen materiellen Lage erwarten.

Die Lage des eigenen Landes beurteilten in der Umfrage zwei von zehn Polen als gut und vier weitere als durchschnittlich, während bei Tschechen, Slowaken und Ungarn das definitiv anders sahen: Von ihnen waren es nur drei von zehn, die die Situation als gut oder durchschnittlich bewerteten, die Mehrheit jedoch nannte sie eher schlecht.

Szigetvár meldet Konkurs an

Die Kleinstadt Szigetvár mit ihrer spätmittelalterlichen Burg und dem neuen Heilbad ist pleite. Vizebürgermeister Gyula Rodek, der nach dem kürzlichen Tod des Bürgermeisters die Amtsgeschäfte führt, meldete beim Komitatsgericht in Pécs das Konkursverfahren an. Die Entscheidung war fällig, weil der Schuldenberg nicht mehr zu beherrschen war. Besonders belastend wirken sich ein Kredit in Schweizer Franken für umgerechnet zwei Milliarden Forint (rund 7,4 Millionen Euro) und ein vor drei Jahren bezogener Kredit von 700 Millionen Forint zum Bau des Bades aus.
(Lesen Sie mehr zu diesem Thema in unserer April-Ausgabe.)