Nachgedacht: Die Eisheiligen …

… haben die Tage ihrem Namen alle Ehre gemacht. Und das, wie seit Jahren nicht mehr. Regen, Wind, Wolken und Null Sonnenlicht haben auch am schönen Balaton nur noch für Tristesse gesorgt.



Die Psyche steigt gehörig nach unten, im Gegensatz zu den Heizkosten. Denn die klettern die Forint-Leiter gehörig nach oben. Denn ohne eine geheizte Stube geht es momentan gar nicht. Ebenso ohne warme Socken, Winterstiefel, einem dicken Pullover, einer wetterfesten Jacke, lange Hosen und nicht zu vergessen, ohne Regenschirm. So dicht eingemummt sind derzeit Jung und Alt auf den Straßen unterwegs.

Eigentlich schreiben wir Mitte Mai und nicht Januar oder Februar. Laut Kalender wäre dies die Hochkonjunktur für den Frühling, für Viele die schönste Zeit des Jahres. Doch sieht man aus dem geschlossenen Fenster, was sieht man: Nur Regen und eine von starken Winden geschüttelte Natur.

Zu den Eisheiligen, auch „gestrenge Herren“ oder „Eismänner“ genannt, zählen mehrere Tage im Mai. Meteorologisch stellen die Eisheiligen eine sogenannte Singularität dar. Ab Anfang Mai klettern die Temperaturen in Mitteleuropa meistens auf der Skala schon nach oben. Diese angenehmen Temperaturen werden aber immer wieder durch Wetterlagen unterbrochen, bei denen kalte Polarluft aufkommt. Ist der Himmel klar, so kann es während der Nachtstunden zu Bodenfrost führen.



Laut der Bauernregel wird das milde Frühlingswetter erst mit Ablauf der „kalten Sophie“, dem 15. Mai, stabil. Diese Bauernregel, sie stammt aus der Zeit des julianischen Kalenders, war und ist heute noch wichtig, da Bodenfrost eine Saat komplett vernichten kann. Eine Aussaat sollte also erst nach der kalten Sophie erfolgen.

Laut Überlieferungen wurde diese Regel zum Thema „Eisheiligen“ wahrscheinlich während einer mittelalterlichen Kaltperiode aufgestellt. Als weiterer Kälteeinbruch kann im Juni unter dem Namen die „Schafskälte“ für ungemütliches Wetter sorgen. Es gilt also abzuwarten, ob auch diese Bauernregel eintrifft und die Freude an der schönsten Jahreszeit trüben könnte.

Bezugnehmend auf die Eisheiligen wurden im Laufe der Jahrzehnte bzw. Jahrhunderte folgende Bauernregeln und Sprichwörter verfasst:

Pankraz, Servaz, Bonifaz
machen erst dem Sommer Platz.

Vor Bonifaz kein Sommer,
nach der Sophie kein Frost.

Vor Nachtfrost du nie sicher bist,
bis Sophie vorüber ist.

Servaz muss vorüber sein,
will man vor Nachtfrost sicher sein.

Pankrazi, Servazi und Bonifazi sind drei frostige Bazi.
Und zum Schluss fehlt nie die kalte Sophie.

Pankraz und Servaz sind zwei böse Brüder,
was der Frühling gebracht, zerstören sie wieder.

Pflanze nie vor der kalten Sophie.

Mamerz hat ein kaltes Herz.

Die kalte Sophie macht alles hie.

Mamertius, Pankratius, Servatius bringen oft Kälte und Verdruss.

Was lernen wir daraus: hoffen, dass sich diese ungemütlichen Gesellen und die kalte Gesellin so schnell wie möglich verabschieden und der sich im April begonnene Frühling wieder fortsetzen kann.

Bis bald,
Ihre Eva

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