Warum gute Vorsorge für Auswanderer mehr bedeutet, als Testament und Vollmachten leisten können
Das Testament liegt im Ordner. Die Erben sind benannt. Vielleicht wurde auch bereits festgelegt, welches Recht auf den späteren Nachlass angewendet werden soll. Damit scheint zunächst vieles geregelt. Doch die entscheidenden Schwierigkeiten beginnen im Ernstfall häufig an einer ganz anderen Stelle: Wo befinden sich die Originaldokumente? Welche Bankkonten, Versicherungen und Verträge bestehen? Wer darf sich um das Haus kümmern? Was geschieht mit dem Fahrzeug? Wer versorgt die Haustiere? Welche Ansprechpartner müssen in Deutschland oder Ungarn informiert werden?
was vorhanden ist – und wo sie anfangen sollen?
Gerade bei einem Leben zwischen mehreren Ländern kann aus einer eigentlich gut gemeinten Vorsorge schnell eine organisatorische Herausforderung werden. Entfernung, unterschiedliche Abläufe, Sprache und fehlende Informationen können Angehörige zusätzlich belasten. Ein Testament ist deshalb ein wichtiger Baustein. Aber es ist noch kein vollständiges System.
1. Wenn einer alles weiß
In vielen Partnerschaften entwickelt sich über Jahre eine ganz selbstverständliche Aufgabenverteilung. Einer kümmert sich um Bankkonten, Versicherungen, Steuerangelegenheiten und Behörden. Er kennt den Ansprechpartner bei der Bank, weiß, welche Verträge bestehen und wo wichtige Unterlagen liegen. Der andere Partner übernimmt dafür andere Bereiche des gemeinsamen Lebens. Solange beide gesund und handlungsfähig sind, funktioniert dieses System hervorragend. Problematisch wird es erst, wenn die Person, bei der die meisten Informationen zusammenlaufen, plötzlich nicht mehr erklären kann, wie alles organisiert ist. Das ist keine Frage schlechter Organisation. Häufig betrifft es gerade Menschen, die ihr Leben lang daran gewöhnt waren, ihre Dinge zuverlässig selbst zu regeln. Doch was für einen selbst selbstverständlich ist, ist für den Ehepartner oder die Kinder möglicherweise unbekannt. Die Schwachstelle liegt deshalb oft nicht darin, dass Informationen fehlen. Sie liegt darin, dass das entscheidende Wissen nur bei einer Person vorhanden ist.
2. Ein Nachlass ist oft ein ganzes Lebenswerk
Ein Nachlass besteht selten nur aus einem Haus und einem Bankkonto. Über Jahrzehnte entstehen Immobilien, Konten, Versicherungen, Fahrzeuge, Beteiligungen, Verträge, digitale Zugänge, persönliche Wünsche und manchmal Vermögenswerte in mehreren Ländern. Ein Teil liegt im Aktenordner, ein anderer auf dem Computer oder in E-Mails. Wieder anderes steckt schlicht im eigenen Gedächtnis. Solange man selbst jederzeit erklären kann, wie alles zusammengehört, fällt diese Abhängigkeit kaum auf. Erst wenn andere übernehmen müssen, zeigt sich, ob aus all diesen Einzelinformationen tatsächlich eine verständliche Struktur entstanden ist. Deshalb beschreibt der Begriff „Lebenswerk“ die Situation oft besser als das Wort „Nachlass“ allein: Es geht nicht nur um Geld, sondern um vieles von dem, was ein Mensch über Jahrzehnte aufgebaut, organisiert und verantwortet hat.
3. Unternehmer und ehemalige Unternehmer: Wenn private und unternehmerische Werte zusammenkommen
Gerade unter Menschen, die ihren Ruhestand heute in Ungarn verbringen, befinden sich viele ehemalige Selbstständige, Unternehmer und Führungskräfte. Mit dem Ende des Berufslebens verschwinden die aufgebauten Strukturen nicht zwangsläufig. Beteiligungen, vermietete Immobilien, Darlehen, Forderungen, Gesellschaftsanteile oder andere Vermögenswerte können weiterbestehen. Dann lässt sich ein Nachlass häufig nicht mehr sauber in „privat“ und „geschäftlich“ trennen. Entscheidend ist auch hier, ob Partner und Angehörige die Zusammenhänge kennen und nachvollziehen können.
Bei aktiven Unternehmern kommt eine weitere Ebene hinzu: die Handlungsfähigkeit des Unternehmens selbst. Die entscheidende Frage lautet nicht nur, was später mit Gesellschaftsanteilen geschieht, sondern auch, ob das Unternehmen am nächsten Arbeitstag weiterlaufen kann, wenn der Unternehmer oder Geschäftsführer plötzlich ausfällt. Wer kann Entscheidungen treffen, Zahlungen freigeben und Mitarbeiter koordinieren? Sind Verantwortlichkeiten geregelt oder laufen die wesentlichen Fäden bei einer einzigen Person zusammen?
Besonders kritisch ist das Wissen über Kunden und Vertrieb. Wer sind die wichtigsten Kunden und Ansprechpartner? Welche besonderen Vereinbarungen bestehen? Wissen Mitarbeiter, welche Kunden betreut werden müssen, welche Angebote offen sind und wie der Vertrieb weitergeführt wird? Sind Kontakte, Gesprächsstände, Konditionen und nächste Schritte nachvollziehbar in einem CRM oder an anderer Stelle dokumentiert – oder befindet sich dieses Wissen überwiegend im Kopf des Geschäftsführers?
Dasselbe gilt für laufende Aufträge und Projekte. Welche Leistungen wurden bereits zugesagt, welche Fristen müssen eingehalten werden, welche Lieferungen oder Entscheidungen stehen an und wer kann diese Vorgänge übernehmen? Fehlt diese Übersicht, können Kundenbeziehungen abbrechen, Aufträge ins Stocken geraten und Mitarbeiter wertvolle Zeit verlieren. Unternehmerische Vorsorge bedeutet deshalb auch, Wissen zu dokumentieren und Verantwortung so zu verteilen, dass Familie, Vermögen und Unternehmen nicht ausschließlich vom Wissen einer einzigen Person abhängig sind.
4. Was im Ernstfall praktisch passiert
Bei Nachlassplanung denken viele zunächst an die spätere Verteilung des Vermögens. Für Angehörige beginnt der Ernstfall jedoch viel früher. Eine Immobilie steht möglicherweise plötzlich leer. Ein Haustier muss sofort versorgt werden. Rechnungen laufen weiter. Versicherungen und Versorgungsverträge bestehen. Fahrzeuge müssen betreut, Unterlagen gefunden und Familienmitglieder informiert werden. Vielleicht leben die Kinder in Deutschland und können nicht kurzfristig nach Ungarn kommen. Vielleicht bestehen sprachliche Schwierigkeiten oder niemand weiß genau, welche Stelle zuerst angesprochen werden muss. Hinzu kommt etwas, das in keiner Checkliste vollständig abgebildet werden kann: Angehörige müssen all diese Dinge häufig in einer Zeit organisieren, in der sie gleichzeitig mit Verlust, Trauer, Beruf und eigener Familie umgehen müssen. Gute Vorbereitung ist deshalb nicht nur eine finanzielle oder rechtliche Frage. Sie kann vor allem eine erhebliche Entlastung für die Menschen sein, die später Verantwortung übernehmen müssen.
5. Was ein Testament regelt – und was es nicht regelt
Ein Testament ist und bleibt ein wichtiger Bestandteil einer guten Nachlassplanung. Es kann insbesondere festlegen, wer Erbe oder Vermächtnisnehmer werden soll. Aber ein Testament beantwortet nicht automatisch alle praktischen Fragen des Ernstfalls. Es sagt nicht zwangsläufig, wo sämtliche Unterlagen liegen, welche laufenden Verpflichtungen bestehen, wer sich um eine Immobilie oder ein Haustier kümmert, welche persönlichen Wünsche berücksichtigt werden sollen oder welche Ansprechpartner in Deutschland und Ungarn eingebunden werden müssen.
Eine funktionierende Nachlassorganisation beantwortet zusätzlich:
Was ist vorhanden? Wo befindet es sich? Wer ist zuständig?
Für Menschen, die ihren Lebensmittelpunkt nach Ungarn verlegt haben oder weiterhin regelmäßig zwischen ihrem Heimatland und Ungarn pendeln, spielt sich das Leben häufig in zwei Ländern ab. Familie, Vermögen, Verträge und wichtige Dokumente befinden sich dann nicht immer am selben Ort. Im Ernstfall können dadurch zusätzliche organisatorische Fragen entstehen: Wo liegen die Originalunterlagen? Welche Ansprechpartner müssen in den jeweiligen Ländern eingebunden werden? Wer kann vor Ort handeln? Und wie lassen sich die notwendigen Schritte über Ländergrenzen hinweg sinnvoll koordinieren? Auch vorhandene Testamente, Vollmachten und Verfügungen sollten deshalb regelmäßig daraufhin überprüft werden, ob sie noch zur aktuellen persönlichen und wirtschaftlichen Situation passen. Welche rechtlichen oder steuerlichen Regelungen im konkreten Einzelfall gelten, gehört dabei in die Hände entsprechend qualifizierter Fachleute.
6. Wenn der Nachlassfall bereits eingetreten ist
Manche Menschen beschäftigen sich mit diesen Fragen nicht vorsorglich, sondern weil ein Angehöriger bereits verstorben ist. Dann geht es nicht darum, rückblickend zu überlegen, was besser hätte vorbereitet werden können. Entscheidend ist vielmehr, aus dem vorhandenen Nachlass Schritt für Schritt wieder eine erkennbare Struktur zu schaffen: Was ist vorhanden? Was muss zuerst gesichert werden? Welche Verpflichtungen laufen weiter? Welche Stellen und Fachleute müssen eingebunden werden? Auch ein ungeordneter Nachlass lässt sich ordnen. Wichtig ist zunächst, Prioritäten und Zuständigkeiten zu klären.
7. Eine typische Situation
Ein ehemaliger Unternehmer lebt mit seiner Frau seit Jahren am Balaton. Das operative Unternehmen ist längst übergeben, doch Immobilien, Bankverbindungen und eine Beteiligung bestehen weiter. Er kümmert sich um Versicherungen, Behörden und Vermögensfragen. Seine Frau kennt die grundsätzlichen Verhältnisse, die erwachsenen Kinder leben in Deutschland. Ein Testament ist vorhanden. Trotzdem kennt niemand außer ihm sämtliche Zusammenhänge. Welche Versicherung gehört zu welcher Immobilie? Welche Verpflichtungen bestehen noch? Welche Ansprechpartner kennen die Hintergründe? Wo liegen die maßgeblichen Unterlagen? Auf dem Papier wurde vieles geregelt. Praktisch hängt das System weiterhin an einer einzigen Person. Genau diese Abhängigkeit gilt es rechtzeitig zu erkennen.
8. Was eine funktionierende Nachlassorganisation ausmacht
Ein gut sortierter Ordner ist sinnvoll. Auch sauber abgelegte digitale Dokumente helfen. Aber Dokumente allein schaffen noch keine Handlungsfähigkeit. Entscheidend ist, ob die vorgesehenen Personen die Informationen finden, verstehen und zum richtigen Zeitpunkt nutzen können.
- Überblick: Was ist vorhanden?
- Auffindbarkeit: Wo liegen Dokumente und Informationen?
- Zugriff: Können die vorgesehenen Menschen im richtigen Moment tatsächlich darauf zugreifen?
- Zuständigkeit: Wer soll welche Aufgabe übernehmen?
- Aktualität: Entsprechen die Informationen noch der heutigen Lebenssituation?
Das Ziel besteht nicht darin, möglichst viele Dokumente anzuhäufen. Das Ziel ist, die richtigen Informationen so vorzubereiten, dass andere Menschen sie im Ernstfall tatsächlich nutzen können. VerMaKom betrachtet deshalb nicht nur einzelne Dokumente, sondern das Zusammenspiel aus rechtlicher Vorsorge, Vermögensübersicht, persönlichen Wünschen, Zuständigkeiten und praktischer Umsetzung. Auf Basis dieser Erfahrungen und der daraus entstandenen Anforderungen hat VerMaKom eine digitale Nachlassplattform entwickelt, in der wesentliche Informationen und Dokumente strukturiert zusammengeführt und aktuell gehalten werden können. Die Plattform ersetzt weder ein rechtlich geprüftes Testament noch die Arbeit von Rechtsanwälten, Notaren oder Steuerberatern. Ihre Aufgabe liegt an einer anderen Stelle: Sie soll helfen, die organisatorische Lücke zwischen vorhandenen Dokumenten und der späteren praktischen Umsetzung zu schließen.
9. Die entscheidende Frage
Wüssten die richtigen Menschen, was vorhanden ist,
wo sie es finden und was sie tun müssen?
Wer diese Frage nicht eindeutig mit “Ja” beantworten kann, muss seine Vorsorge nicht zwangsläufig komplett neu aufbauen. Häufig genügt es zunächst, vorhandene Informationen zusammenzuführen, Zuständigkeiten zu klären und erkennbare Lücken zu schließen. VerMaKom bietet hierfür auf seiner Webseite einen NachlassCheck an, mit dem sich die eigene Situation strukturiert betrachten lässt. Darüber hinaus informiert VerMaKom regelmäßig in Präsenz- und Onlineveranstaltungen über die besonderen organisatorischen und praktischen Fragen rund um einen Nachlass zwischen Deutschland und Ungarn. Wenn ein Nachlassfall bereits eingetreten ist, steht nicht mehr die Vorsorge im Vordergrund, sondern zunächst die strukturierte Einordnung der aktuellen Situation.
10. Über VerMaKom
Die VerMaKom GmbH begleitet deutsch-, niederländische und englischsprachige Auswanderer sowie international lebende Menschen beim Aufbau einer strukturierten und praktisch umsetzbaren Nachlassorganisation. Im Mittelpunkt stehen nicht einzelne Dokumente, sondern ein funktionierendes Zusammenspiel aus rechtlicher Vorsorge, vollständiger Übersicht, klaren Zuständigkeiten und einer Organisation, mit der die vorgesehenen Personen im Ernstfall tatsächlich arbeiten können. Wer wissen möchte, wie gut die eigene Vorsorge im Ernstfall tatsächlich funktionieren würde, kann mit der kostenlosen VerMaKom Nachlass-Checkliste für Auswanderer beginnen. Sie zeigt Schritt für Schritt, welche Informationen und Regelungen Partner und Angehörige benötigen und wo möglicherweise noch Lücken bestehen.
Kostenlose Nachlass-Checkliste für Auswanderer:
https://lp.vermakom.de/checkliste_auswanderer
11. Über den Verfasser
Bernd Brocher
Bernd Brocher ist Gründer und Geschäftsführer der VerMaKom GmbH sowie internationaler Nachlassstratege. Geboren in Mönchengladbach, lebt er mit seiner Familie bereits seit 1996 außerhalb Deutschlands – zunächst in den Niederlanden und seit 2020 in Ungarn. Die besonderen Herausforderungen eines grenzüberschreitenden Lebens kennt er damit auch aus eigener Erfahrung. Seit vielen Jahren arbeitet er eng mit Unternehmern und Selbstständigen zusammen. Seit 2023 begleitet er insbesondere deutschsprachige Auswanderer und international lebende Menschen bei der strukturierten Vorbereitung ihres Nachlasses. Sein Blick richtet sich bewusst über einzelne Dokumente hinaus. Entscheidend ist für ihn, ob Partner und Angehörige im Ernstfall die notwendigen Informationen finden, Zuständigkeiten kennen und tatsächlich handeln können.
Direkter Kontakt
VerMaKom GmbH
Bernd Brocher
Telefon: +36 30 656 9451
E-Mail: hallo@vermakom.de
Webseite: vermakom.de
Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Rechts- oder Steuerberatung.
Ist ein Nachlassfall bereits eingetreten oder besteht persönlicher Klärungsbedarf, können Sie sich direkt an VerMaKom wenden. Weitere Informationen und Veranstaltungen finden Sie unter vermakom.de.

