Teil-Lockdown trifft den Sport mit Macht

Der deutsche Sport reagiert mit Empörung, aber auch mit Verständnis auf den auch ihn betreffenden Teil-Lockdown. Viele Verantwortliche halten die Pandemie-Maßnahmen für undifferenziert, die Unterscheidung zwischen Profi- und Amateursport zu vage.

Wettkämpfe werden abgesagt, Ligen kommen zum Stillstand, Sportanlagen und Trainingszentren stehen vor der Schließung. Der Teil-Lockdown trifft den Sport mit Macht.

Die Vertreter des Amateur- wie des Profisports reagieren mit Empörung und Verzweiflung, aber auch mit Fairplay und Verständnis auf die von Montag an geltenden drastischen Corona-Einschränkungen. «Das trifft uns mit voller Wucht», sagte Vorstandsmitglied Stefan Schwarzbach vom Deutschen Skiverband mit Bezug auf den Amateursport. Es werde zunehmend schwieriger, Kinder und Jugendliche in Bewegung zu halten. «Da hätte ich mir eine etwas differenziertere Vorgabe gewünscht.»

Die Beschlüsse der Kanzlerrunde vom Mittwoch lassen wichtige Fragen offen. Wie wird zum Beispiel zwischen Profi- und Amateursport unterschieden? Für Olympia-Starter, die sich nicht durch ihren Sport finanzieren können, könnten die öffentlichen Stadien und Hallen verschlossen bleiben.

Der Frust über die Maßnahmen der Bundespolitik sei nachvollziehbar bei allen, die mit einer «Vollbremsung wieder schweren Herzens Verzicht üben müssen», sagte der Vizepräsident des Deutschen Schwimm-Verbandes, Uwe Brinkmann. Dieser Beschluss «verschärfe noch einmal die Probleme auf sämtlichen Ebenen». Dennoch gelte es Teamgeist «trotz vereinzelter Rufe nach Protest» zu zeigen. Der Sport sei vom sonstigen Geschehen nicht abzukoppeln.

«Es ist ein Rückschlag für den Sport allgemein», urteilte Sven Ressel, Sportdirektor des Deutschen Fechter-Bundes, auf dessen Anweisung am Samstag die Bundesstützpunkte seines Sports geschlossen werden. «Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Effekte – wie durch den Teil-Lockdown gewünscht – eintreten und wir im Dezember wieder weitermachen können.»

Die Ringer-Bundesliga denkt deshalb an den Abbruch, wie Florian Geiger, Vizepräsident des Deutschen Ringer-Bundes, mitteilte. Der Amateurfußball ist bereits im ganzen Land fast zum Stillstand gekommen. Für Bayern kündigte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) an, dass der Amateur- und Breitensport von Montag an weitgehend eingestellt wird. Bis Ende November seien keine Trainings und Wettkämpfe unterhalb des Profisports mehr möglich.

Die Sportausschussvorsitzende des Bundestages unterstützt die beschlossenen Maßnahmen, versteht aber die Enttäuschung im deutschen Sport. «Ich verstehe und teile die Enttäuschung und die teilweise herrschende Verzweiflung all derer, die in Kultur, Gastronomie und Sport viel Zeit, Ideen und auch Geld in nachweislich funktionierende Hygienekonzepte investiert haben, aber jetzt dennoch zu den Betroffenen gehören», betonte Dagmar Freitag (SPD). «Alle Vereinssportler dürfen sich dafür bei den verantwortungslosen Corona-Leugnern und Partygängern bedanken.»

Ihr Kollege im Sportausschuss, Frank Steffel, hätte sich eine «stärkere Differenzierung» des Corona-Beschlusses gewünscht und appelliert an die Bundesländer, die für die Umsetzung zuständig sind, im Detail nun sportartspezifisch nachzubessern. «Man muss schauen, wie man den Schaden, der zweifellos entsteht, in Grenzen hält», meinte der CDU-Politiker aus Berlin angesichts des Zuschauerverbots.

Der Berliner hatte sich stark für das mit 200 Millionen Euro dotierte Soforthilfeprogramm für Vereine der semiprofessionellen und professionellen Ligen wie Basketball, Handball oder Eishockey eingesetzt. «Wenn das Geld bis Ende des Jahres nicht ausgeschöpft werden sollte, soll der Rest auf die Rückrunde übertragen werden», sagte Steffel. «Wenn das nicht ausreichen sollte, muss es für das Haushaltsjahr noch einmal eine ausreichende Summe geben.»

Wie existenziell Zuschauer sind, unterstrich Geschäftsführerin Jennifer Kettemann vom Handball-Bundesligisten Rhein-Neckar Löwen. «Handballspiele mit Zuschauern sind nicht nur unser großes Ziel, sie sind für unseren Sport auch überlebenswichtig», sagte sie.

Der zehnmalige deutsche Volleyball-Meister Berlin Recycling Volleys fürchtet durch die neuerlichen Corona-Maßnahmen schwere wirtschaftliche Folgen. «Die Verschärfung der Einschränkungen trifft uns hart und verschlechtert die ohnehin schon angespannte finanzielle Situation noch einmal deutlich», sagte Manager Kaweh Niroomand. Es gehe jetzt darum, «dass nicht alles das, was wir in den letzten Jahren aufgebaut haben, in wenigen Wochen kaputtgeht».

Die Landessportbünde haben auch noch andere Sorgen. Man sei «in größerer Sorge um das Vereinssystem und um seine wichtigen gesellschaftspolitischen Funktionen», sagte Reinhard Rawe, Vorstandsvorsitzender des Niedersächsischen Landessportbundes. «Wir plädieren deshalb für so viel verantwortbaren Sport wie möglich», ergänzte LSB-Präsident Wolf-Rüdiger Umbach.

© dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten.