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Roma-Ehepaar in Ungarn bei Anschlag getötet

Eine Roma-Familie ist in der Nacht zum Dienstag im Komitatszentrum Pécs einem Terroranschlag zum Opfer gefallen. Bislang unbekannte Täter warfen vermutlich eine Handgranate in das Haus des Roma-Ehepaares, teilte die Polizei mit. Die beiden Eltern waren sofort tot, während die vier Kinder der Familie laut Medienberichten unverletzt blieben. Der Angriff traf das Ehepaar in den späten Abendstunden, als es beim Fernsehen war.

Die Polizei bildete zur Aufklärung der Tat eine Ermittlergruppe, die vorerst rund um die Uhr arbeitet. Nach vorliegenden Angaben handele es sich nicht um einen Anschlag mit ethnischem Hintergrund, hieß es von Seiten der Behörde. Der getötete Ehemann sei aufgrund seiner Lebensweise polizeibekannt gewesen. Die Polizei geht von einem Racheakt aus.

Der Ombudsmann des ungarischen Parlaments für nationale und ethnische Rechte, Ernő Kállai forderte den Landes-Polizeichef zu einer außerordentlichen Information in der Sache auf. Zugleich teilte er dem Polizeichef mit, dass er es auch mit den Regeln krimineller Ermittlungen für unvereinbar hält, dass die Polizei im Zusammenhang mit einem außerordentlichen gewalttätigen, die öffentliche Ordnung schwer beeinträchtigenden Verbrechen gleichsam sofort – vermutlich ohne sachliche Prüfung – ein eventuelles rassistisches Motiv ausschloss.

Örtliche Romaführer in Pécs haben den Verdacht, dass es sich um eine rassistische Tat handelt. Seit Frühjahr dieses Jahres seien die Zigeuner in Ungarn an 20 Orten angegriffen worden, sagte der Vorsitzende der Pécser Roma-Selbstverwaltung, István Kosztics. Deshalb sei er so kühn, einen Zusammenhang zwischen den Geschehnissen zu sehen.

Erst Anfang dieses Monats waren in der Gemeinde Nagycsécs (Komitat Borsod) zwei Roma einem Anschlag mit einem Molotow-Cocktail und Schüssen zum Opfer gefallen. Zur gleichen Zeit war auch das Haus gegenüber angegriffen worden.