FCA gegen RB: Herrlich-Rückkehr im unerwarteten Spitzenspiel

Bei der Rückkehr von Heiko Herrlich nach einer Lungenerkrankung will der FC Augsburg einen Glanzpunkt setzen. Bei einem Sieg im Spitzenspiel gegen Leipzig wäre die erstmalige Tabellenführung perfekt. Ein klangvoller RB-Zugang ist noch kein Startelf-Kandidat.

Das wichtigste Comeback im Bundesliga-Spitzenspiel gibt es an der Seitenlinie. Trainer Heiko Herrlich ist nach einer Lungenerkrankung zurück und möchte mit dem FC Augsburg im unerwarteten Top-Duell am Samstag (15.30 Uhr/Sky) gegen RB Leipzig Einmaliges schaffen.

Bei einem Sieg gegen den von der FCA-Vereinsspitze kritisch beäugten Emporkömmling würden die Schwaben im zehnten Jahr in Deutschlands Spitzenklasse erstmals die Tabellenführung erobern. «Wir würden uns nicht wehren. Das übergeordnete Ziel ist es aber, die Klasse zu halten», sagte Geschäftsführer Stefan Reuter.

Für den 54-Jährigen wäre ein Erfolg des Tabellenzweiten gegen den Spitzenreiter am Tag nach seinem Geburtstag ein nettes Geschenk. «Wir sind ja realistisch. Wir versuchen, in jedem Spiel etwas mitzunehmen, wir können die ersten drei Spiele einordnen», sagte Reuter der «Augsburger Allgemeinen». Nach der jüngsten Zittersaison macht der Start mit sieben Punkten aus drei Spielen Hoffnung, dass es diesmal ruhiger werden könnte. «Augsburg hat sich verbessert gegenüber letzter Saison», stellte RB-Coach Julian Nagelsmann vor dem Duell fest.

Die Augsburger mussten vor einer Woche allerdings schon zum zweiten Mal in der im März begonnenen Amtszeit von Herrlich damit klar kommen, dass der Trainer fehlte. Im Mai verpasste der 48-Jährige ein Spiel wegen eines Verstoßes gegen die Corona-Vorgaben. Vor einer Woche musste er wegen eines Pneumothorax, einer Ansammlung von Luft zwischen Lunge und Brustwand, ins Krankenhaus.

«Es ist mit den Ärzten besprochen, dass ich wieder voll dabei sein kann», sagte der Trainer. «Ich soll aber schauen, dass ich nicht zu häufig schreie.» Da das Spiel wegen der Corona-Pandemie ohne Zuschauer stattfindet, müsste er ganz gut zu hören sein.

Positiv ist das aber nicht, denn die Kulisse von 6000 Zuschauern wird vermisst. «Wir haben uns riesig gefreut aufs nächste Heimspiel mit unseren Fans im Rücken. Leider gehen die Zahlen wieder hoch, und die Behörden müssen so handeln», sagte André Hahn, einer von fünf Augsburger Torschützen in dieser Saison.

Größter Trumpf bislang ist allerdings die Defensive. «Wir haben erst ein Gegentor hinnehmen müssen, und Rafal hat in jedem Spiel Paraden gehabt, die uns gut getan haben», lobte Reuter den von Union Berlin verpflichteten Torhüter Rafal Gikiewicz. Der 32-Jährige ist wie Daniel Caligiuri (32) und Tobias Strobl (30) neu, die Umgestaltung scheint geglückt. «Insgesamt sind wir sehr zufrieden, aber das jetzt schon abschließend zu beurteilen, ist schwer», sagte Reuter.

Vor dem Spitzenspiel waren keine bissigen Kommentar von Augsburgs Präsident Klaus Hofmann zu vernehmen. Das Cluboberhaupt hatte in der Vergangenheit schon gerne gegen die Sachsen gestichelt. Auch sonst war es in den Duellen wiederholt heiß hergegangen.

Forsche Ansagen vom Champions-League-Teilnehmer gab es vor dem aktuellen Wiedersehen auch nicht. Im Gegenteil. «Das wird auch mal schleppend werden, das ist oft so nach Länderspielen. Darauf müssen wir vorbereitet sein», sagte Nagelsmann. Er muss auf den verletzten Kapitän Marcel Sabitzer verzichten. Rom-Leihe Justin Kluivert, Sohn des früheren Weltklasse-Stürmers Patrick Kluivert, ist noch kein Kandidat für die Startelf.

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