Oberhof-Organisatoren: Nein wäre schlechtes Signal gewesen

Biathlon in Oberhof: Das sind Zehntausende Fans, eine große Party, volle Hotels und Kneipen. In Corona-Zeiten ist alles anders. Weniger Einnahmen, aber mehr Aufwand. Dennoch sagt Hartmut Schubert: «Es ist eine große Chance, positiv in Erscheinung zu treten.»

Trotz des coronabedingten Zuschauerausschlusses und der kostspieligen organisatorischen Mehraufwendungen war für die Veranstalter der beiden Oberhofer Biathlon-Weltcups eine Absage keine Option.

«Man kann immer Nein sagen, aber das wäre ein ganz schlechtes Signal an alle möglichen Seiten gewesen. Zum Beispiel an die Spitzenverbände, die von uns erwartet haben, dass wir das machen. Zwar gab es keine direkte Aufforderung, aber bei den Gesprächen war deutlich der Wunsch spürbar», sagte Hartmut Schubert, Thüringer Finanzstaatssekretär und Vorsitzender des «Zweckverbandes Thüringer Wintersportzentrum», in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur.

Am Freitag startet im Thüringer Biathlon-Mekka der erste von zwei Weltcups. Die eigentlich traditionell kommende Woche folgenden Rennen in Ruhpolding wurden wegen der Corona-Pandemie nach Oberhof verlegt, um so den Reiseaufwand der Athleten zu minimieren.

Im Normalfall feiern Zehntausende Fans am Grenzadler, spülen Millionen in die Kassen. Diesmal sind die Ränge leer, zudem müssen strenge Hygieneanforderungen umgesetzt werden. Laut Schubert liege der Fehlbetrag nach jetziger Planung «unter einer Million Euro. Es ist trotzdem immer noch ein Worst Case Szenario. Was am Ende rauskommt, kann man heute noch nicht sagen. Es wird nicht so sein, dass wir Gewinne erzielen oder mit einer schwarzen Null nach dem Winter rauskommen», sagte der SPD-Politiker (60).

Gelder aus dem Corona-Hilfspaket wurden beantragt, von denen erste Mittel schon bereitgestellt wurden. Zudem teilt der Biathlon-Weltverband IBU an alle Veranstalter die ursprünglich für die Saison geplanten Gelder aus, auch wenn sie ihre Veranstaltung wegen Corona absagen mussten. So erhält Oberhof laut IBU rund 500.000 Euro. «Was dann überbleibt, muss man dann durch mögliche Überschüsse in den Folgejahren ausgleichen, das ist unser Ziel», sagte Schubert mit Blick auf die jetzigen Mindereinnahmen.

Und auch der Deutsche Skiverband werde nicht zulassen, «dass eine Veranstaltung zum Millionengrab wird», wie Stefan Schwarzbach, Geschäftsführer und Vorstandsmitglied im DSV, sagte. Er und Schubert betonten, dass man diesen Winter nicht isoliert betrachten könne. «Wir müssen die Investitionen im Gesamtkonzept auch mit der WM 2023 in Oberhof sehen», sagte Schwarzbach und sieht das damit genau so wie Schubert. Für die Welttitelkämpfe in zwei Jahren wird die Arena am Grenzadler umgebaut und modernisiert. «Wichtig ist der langfristige Blick auf das Projekt», sagte Schubert und sieht die jetzige Ausrichtung als «eine große Chance, positiv in Erscheinung zu treten.»

© dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten.