Corona-Lockerungen: Weitere Schulöffnungen geplant

Schülerinnen und Schüler weiterführender Schulen sollen voraussichtlich bald wieder zum Unterricht gehen. Wann genau, ist offen. Möglicherweise können sie sich regelmäßig testen lassen.

Die Länder haben weitere Schulöffnungen angekündigt. Der an Grundschulen begonnene Wechsel- oder Präsenzunterricht soll auf weitere Jahrgänge ausgeweitet und intensiviert werden.

Das beschlossen die Bildungsministerinnen und -minister in der Kultusministerkonferenz nach einer Mitteilung von Dienstag. Geöffnet werden soll, «sofern es die Infektionslage weiterhin zulässt». Daten werden in dem Beschluss nicht genannt. Bereits bisher gingen die Länder unterschiedlich bei Teilöffnungen der Schulen vor. Nun hieß es ausdrücklich, regional solle es Abweichungen geben können.

Ein vorläufiger Beschlussentwurf für die Beratungen der Ministerpräsidenten mit Bundeskanzlerin Angela Merkel an diesem Mittwoch sieht zudem vor, «dass das Personal in Schulen und Kinderbetreuung sowie alle Schülerinnen und Schüler pro Präsenzwoche das Angebot von (…) kostenlosen Schnelltests einschließlich einer Bescheinigung über das Testergebnis erhalten». Angeboten werden sollen mindestens ein oder zwei solcher Tests pro Woche. Bei diesen Tests werden durch geschultes Personal Abstriche tief in der Nase sowie im Rachen gemacht. Die Aussagekraft bei einem negativen Ergebnis ist nur für einige Stunden hoch.

Am 22. Februar hatten in zehn Ländern wieder Grundschulen aufgemacht – für Wechselbetrieb mit halben Klassen, die abwechselnd zur Schule kommen, oder auch Vollbetrieb mit festen Gruppen, teilweise mit Maskenpflicht auch im Unterricht. In manchen Ländern blieb es Eltern freigestellt, ob sie ihre Kinder schicken. «Die Öffnung der Grundschulen ist insgesamt gut gelungen», sagte die KMK-Präsidentin und brandenburgische Ministerin Britta Ernst (SPD). 

Für ältere Schüler und Jugendliche gilt bisher weiter Fernunterricht, außer bei Abschlussklassen. 

Die Bildungsministerinnen und -minister zitieren nun das Robert Koch-Institut (RKI) mit der Aussage, dass Schülerinnen und Schüler in der Pandemie eher nicht als «Motor» eine größere Rolle spielten. Tatsächlich hatte das RKI in einer Studie festgestellt, «dass Schülerinnen und Schüler eher nicht als „Motor“ eine größere Rolle spielen, aber dass die Häufigkeit in einer engen Beziehung zur Inzidenz in der Gesamtbevölkerung steht».

Das RKI hatte einen bestimmten Zeitraum untersucht. In diesem gab es Ausbrüche an Schulen. Die Hälfte der Ausbrüche an Schulen habe sich auf den jeweiligen Jahrgang oder die Klasse beschränkt. Das Risiko, in einen Ausbruch involviert zu sein, sei unter allen 6- bis 20-Jährigen bei den Kindern bis 10 am Kleinsten gewesen. Das Krankheitsrisiko bei weiterführenden Schulen ist laut einer vom RKI zitierten Studie höher als bei Schulen mit Jüngeren. Risiken für Ausbrüche gehen den RKI-Erhebungen zufolge überwiegend von Lehrkräften aus. Diese seien bei etwa der Hälfte der Ausbrüche bei den 6- bis 10-Jährigen der vermutete Primärfall.

Die KMK fordert durch den Bund zu finanzierende flächendeckende Testmöglichkeiten für das an Schulen tätige Personal – für Schülerinnen und Schüler aber nur «perspektivisch». Der vorläufige Entwurf für die Bund-Länder-Runde an diesem Mittwoch hingegen sieht vor, dass die Test durch die Länder sichergestellt werden.

Der Verband der Kinder- und Jugendärzte hatte flächendeckende Tests an Schulen und Kitas abgelehnt. Er begründete das mit der Behauptung, dass zu viele falsch negative und falsch positive Ergebnisse zu erwarten seien. Alle erwachsenen Personen mit Kontakt zu den Kindern sollten ihrer Ansicht nach aber getestet werden. Bei den ersten zugelassenen Selbsttests müssen Wattestäbchen in die Nase eingeführt werden – aber nicht so tief wie bei den durch geschultes Personal durchzuführenden Schnelltests. Selbsttests sollen voraussichtlich ab kommender Woche verkäuflich sein.

Die Kultusminister machen außerdem Druck beim Impfen für Lehrkräfte. Nach den Grundschullehrkräften und Erzieherinnen soll ihrer Forderung nach das gesamte Schulpersonal vorrangig geimpft werden. Die Ständige Impfkommission hatte vorrangige Impfungen für Lehrkräfte generell abgelehnt. Sonst könnten eventuell zum Beispiel Menschen mit Krebs und anderen Erkrankungen später zum Zug kommen – Lehrkräfte mit Krankheiten könnten bereits vorrangig drankommen. 

Die Länder sprachen sich für ein Förderprogramm zur Kompensation pandemiebedingter Lernrückstände aus.

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