Weiterer Kölner Bischof wegen Missbrauchsgutachten beurlaubt

Das Kölner Missbrauchsgutachten hat weitere personelle Folgen: Nach dem Hamburger Erzbischof Stefan Heße und dem Kölner Weihbischof Dominikus Schwaderlapp zog nun ein dritter Bischof Konsequenzen.

Als Konsequenz aus dem am Donnerstag vorgestellten Missbrauchsgutachten ist ein weiterer Bischof vorläufig beurlaubt worden.

Der Kölner Weihbischof Ansgar Puff habe Kardinal Rainer Maria Woelki selbst darum gebeten, teilte das Erzbistum Köln am Freitag mit. Woelki habe dem entsprochen und Puff vorläufig von seinen Aufgaben beurlaubt.

«Ich habe eine Pflichtverletzung begangen im Bereich der Aufklärungspflicht», sagte Puff, früher Personalchef des Erzbistums, in einer Videobotschaft. «Mir tut das unendlich leid. Ich muss zugeben, dass ich auch da juristisch nicht ganz auf der Höhe war, dass ich das nicht so ganz im Blick hatte, was ich da tun musste. Ich entschuldige mich dafür.»

Am Donnerstag hatten bereits der Kölner Weihbischof Dominikus Schwaderlapp und der Hamburger Erzbischof Stefan Heße – früher Personalchef in Köln – dem Papst ihren Amtsverzicht angeboten. Es ist das erste Mal, dass solche Schritte im Zusammenhang mit dem Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche erfolgen. Auch den Bischöfen Schwaderlapp und Heße hatten die Gutachter Pflichtverletzungen vorgeworfen. Das Erzbistum Hamburg wird nun bis auf weiteres kommissarisch von Generalvikar Ansgar Thim geleitet.

Heße wandte sich am Freitag mit einem Brief an die Gemeinden: «Ich übernehme meine Verantwortung für damalige Fehler und das Versagen des Systems», erklärte er. Es bedrücke ihn sehr, wenn durch sein Verhalten Betroffenen ein weiteres Mal Leid zugefügt worden sei. «Ich weiß heute nicht, wie mein Weg als Mensch, als Christ und als Seelsorger nun weitergehen wird.»

Im Auftrag von Woelki hatte ein Team um den Strafrechtler Björn Gercke geprüft, wie Verantwortliche des Erzbistums Köln von 1975 bis 2018 mit Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs von Kindern durch Priester umgegangen waren. Dabei dokumentierten die Juristen zahlreiche Vertuschungen.

Der oberste Katholik von Bonn forderte am Freitag Konsequenzen auch von anderen Bischöfen. Es sei schlimm, dass dies erst geschehe, wenn die Betroffenen durch ein juristisches Gutachten dazu gezwungen würden, sagte Stadtdechant Wolfgang Picken der Deutschen Presse-Agentur. Zu denjenigen, denen Pflichtverletzungen bereits nachgewiesen worden seien, gehörten der Münchner Kardinal Reinhard Marx, der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck und der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode, sagte Picken.

Picken, der auch erfolgreicher Buchautor ist, forderte deshalb eine Ehrenerklärung für Bischöfe und Generalvikare nach dem Vorbild der Mitglieder der CDU-Bundestagsfraktion nach der Masken-Korruptionsaffäre. «Lieber jetzt ein Erdrutsch an Rücktritten und eine dementsprechende Explosion als eine unabsehbare Dauerkrise», sagte Picken.

Der Vorsitzende des Diözesanrats im Erzbistum Köln, der Solinger Oberbürgermeister Tim Kurzbach (SPD), wertete das Gutachten als «ersten Schritt in die richtige Richtung». Nun stehe aber ein noch viel intensiverer Prozess bevor, sagte Kurzbach der Deutschen Presse-Agentur. «Das Vertrauen muss langsam erst wieder aufgebaut werden.» Es gehe um ein System von Klerikalismus, das insgesamt durchbrochen und aufgearbeitet werden müsse. Im Diözesanrat sind die Laien, die normalen Gläubigen, organisiert.

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