Die Welt der Klassik trauert um Lady Valerie Solti

Lady Ann Valerie Solti verstarb nach einem außergewöhnlichen und faszinierenden Leben, schrieb kürzlich The Sunday Times in einem ehrenden Nachruf.



Als Valerie Pitts gehörte die 1937 geborene britische Fernsehmoderatorin in den 50er Jahren zu den ersten Moderatoren der BBC. In Ungarn ist Valerie Pitts vor allem als Witwe des 1997 verstorbenen Dirigenten Georg Solti bekannt. Die Beziehung der Fernsehmoderatorin zu Solti galt als eine der großen Liebesbeziehungen der klassischen Musik. Valerie Pitts und Georg Solti wurden nicht müde zu betonen, dass es das Schicksal war, das sie 1964 zusammenbrachte: sie eine junge, ambitionierte Kunstjournalistin und er ein international gefeierter Orchesterdirigent.

Der von der Queen geadelte Sir Georg Solti gehört zum Kreis der besten Dirigenten aller Zeiten. Sein Wirken stellt einen Höhepunkt der klassischen Musik des 20. Jahrhunderts dar. Georg Solti wurde 1912 unter dem Namen György Stern in Budapest als Sohn einer jüdischen Familie geboren. Nationalismus und Antisemitismus trieben ihn nach dem Studium und ersten Erfolgen in die Emigration. Den Zweiten Weltkrieg verlebte er in der Schweiz und wurde als Pianist bekannt. Seine Leidenschaft aber war das Dirigieren. Nach dem Krieg begann seine weltweit überaus erfolgreiche Dirigentenkarriere.

Georg Solti verliebte sich schon bei seinem ersten Interview mit Valerie Pitts in die schöne, gebildete Frau. Vier Jahre lang warb er um sie, bis sie heirateten. Mit ihr bekam er die Familie, nach der er sich sein Leben lang gesehnt hatte. Valerie Pitts schenkte ihm zwei Töchter. Nach seinem Tod gründeten Lady Valerie Solti und ihre Töchter die Solti Foundation zur Förderung junger Musiker.

Der temperamentvolle und leidenschaftliche Dirigent hinterließ an allen seine Wirkungsstätten – seien es berühmte Opernhäuser, große Orchester und Festivals – einen unauslöschlichen Eindruck und unvergessliche Erinnerungen. War er es doch, der viele der Orchester erst zu einer bis dahin nicht gekannten Qualität, Größe und Berühmtheit führte. Seine erste Studio-Gesamteinspielung von Wagners „Der Ring des Nibelungen“ für die Plattenfirma Decca in den Jahren 1958 bis 1965 ist die weltweit am meisten verkaufte Klassik-Aufnahme aller Zeiten. Lady Valerie Solti war bis zu ihrem Tod die Patronin des 1995 von Georg Solti gegründeten „World Orchestra for Peace“, mit dem sie beide der einzigartigen Kraft der Musik als Botschafter für den Frieden Ausdruck verleihen wollten.

Solti sagte einmal in einem Fernsehportrait: hätte ich nicht ein so schweres Leben als mehrfacher Emigrant gehabt, wäre ich nie das geworden, was ich heute bin. Ich musste um alles in meinem Leben kämpfen. Doch mein Studium bei Bartók, Kodály und Weiner in Budapest werde ich nie vergessen. Mit seiner letzten Aufnahme, dem Mitschnitt eines Konzerts in Budapest mit Werken seiner ehemaligen Lehrer, kehrte er zu seinen Wurzeln zurück. Sir Georg Solti wurde auf dem Friedhof Farkasrétitemető in Budapest zur letzten Ruhe gebettet. Lady Valerie Solti fand in ihrer britischen Heimat die letzte Ruhe.