Schänder von jüdischen Gräbern in Ungarn gefasst

Zwei Jugendliche sind offenbar für antisemitische und ausländerfeindliche Straftaten in Kaposvár (Komitat Somogy) verantwortlich. Ein 15- und ein 16-Jähriger wurden nach der Schändung von 24 Grabmälern auf dem jüdischen Friedhof der Stadt festgenommen, teilte die Polizei am Dienstag mit. Gegen sie besteht nicht nur der Verdacht, Hakenkreuze, SS-Zeichen und Pfeilkreuze – ein Symbol des ungarischen Faschismus – auf die Grabsteine geschmiert zu haben. Daneben wird ihnen auch die Beschädigung des Getto-Denkmals am 18. Januar vorgeworfen.

Die beiden Jugendlichen gestanden im Verhör die Taten. Außerdem gaben sie einen Anschlag auf einen China-Laden in Kaposvár zu und sagten aus, dass sie noch in dieser Wochen das China-Warenhaus der Stadt mit einem Molotow-Cocktail beschädigen wollten. Bei Hausdurchsuchungen fand die Polizei die bei den Anschlägen benutzten Mittel, darunter auch einen Molotow-Cocktail.

Jüdische Grabmäler in Ungarn geschändet

Im jüdischen Friedhof von Kaposvár (Komitat Somogy) sind in der Nacht zum Sonntag 24 Grabmäler geschändet worden. Die Polizei leitete Ermittlungen wegen öffentlichen Zeigens von Symbolen der Gewaltherrschaft ein, teilte die Behörde mit. Wie das Fernsehen am Montag berichtet, hatten unbekannte Täter Pfeilkreuze, Hakenkreuze und durchgestrichene Davidsterne auf die Gräber gemalt.

Der Friedhof wird nun vorläufig von zwei Hunden bewacht. Die jüdische Glaubensgemeinschaft von Kaposvár plant, daneben Scheinwerfer mit Bewegungsmeldern anzubringen, sagte deren Vorsitzender László Róna der Unabhängigen Nachrichtenagentur. Auf diesem Friedhof war das der vierte Fall von Grabschändungen innerhalb eines Jahres.

Ungarn: Pessimismus in der EU unschlagbar

Die Stimmung ist kaum in einem EU-Land schlechter als in Ungarn. Und die Zukunft sieht niemand schwärzer als die Ungarn. Das geht nach einem Bericht der Unabhängigen Nachrichtenagentur aus der neuesten europäischen Meinungsumfrage im Auftrag der Europäischen Kommission, dem Eurobarometer, hervor. Derartige Umfragen auf der Basis gleicher oder vergleichbarer Fragen finden halbjährlich statt, zuletzt im Oktober 2007.

Allein die Rumänen und Bulgaren sind den Ergebnissen zufolge in den 27 EU-STaaten unglücklicher als die Ungarn. Nur 52 Prozent der Befragten in Ungarn sind mit ihrem Leben zufrieden. Am glücklichsten dagegen sind Dänen, Schweden und Holländer: 96 bis 98 Prozent fühlen sich zufrieden.

Im Pessimismus dagegen sind die Ungarn unschlagbar: Nur 15 Prozent von ihnen hofft auf eine Verbesserung ihres Lebens. Genau die Hälfte von ihnen meinen, dass es keine Verbesserung geben wird, nach Ansicht von 65 Prozent bewegen sich die Dinge in eine schlechte Richtung. Das sei ein bestürzend schlechtes Ergebnis, da selbst in den pessimistischsten Ländern außer Ungarn der Anteil derer nicht 50 Prozent übersteigt, nach deren Ansicht die Dinge in eine schlechte Richtung gehen.

Allerdings wird die EU auch in Ungarn nicht in einem schlechteren Licht gesehen als beim Durchschnitt dere EU-Bürger. Die wirtschaftliche Lage der gesamten EU wird in Ungarn so eingeschätzt wie in den anderen Ländern: Nach Ansicht etwa der Hälfte der Befragten befindet sich die Wirtschaft in einer guten Situation.

Zudem haben die Ungarn ein sehr viel höheres Vertrauen (60 Prozent) in die EU und deren Institutionen als in ihre eigene Regierung oder das Parlament (je 20 Prozent). Die ungarischen Parteien schneiden noch schlechter ab. Sie bekommen nur 10 Prozent Zustimmung. Dabei ist jedoch der EU-Skeptizismus seit der vorangegangenen Umfrage gewachsen.

Ungarns Eisenbahner nehmen Streik wieder auf

In Ungarn werden die Eisenbahner am Montagmorgen ihren Streik wieder aufnehmen. Es sei nicht gelungen, am Samstag eine Vereinbarung zwischen Gewerschaft und Staatsbahn zu erzielen, berichtet das staatliche Fernsehen auf seiner Homepage. Auch am Sonntag soll verhandelt werden, dabei geht es jedoch nur um die notwendigen Dienstleistungen während der Arbeitsniederlegung.

Ein landesweiter unbefristeter Streik der Eisenbahner war für die Verhandlungen am Freitagmittag unterbrochen worden. Die Gewerkschaft fordert, dass jedere Eisenbahner aus der Privatisierung des Bahnunternehmens für Gütertransport MÁV Cargo als Einmalzahlung 250 000 Forint (etwa 1000 Euro) erhält. Für die von einer Ausgliederung betroffenen Mitarbeiter will die Gewerkschaft 10 Prozent statt der angebotenen 6,9 Prozent Lohnzuschuss.

Am Freitag hatten nach Gewerkschaftsangaben 80 Prozent der Eisenbahner ihre Arbeit niedergelegt. Die Bahn (MÁV) berichtete umgekehrt von 80 Prozent, die nicht gestreikt hätten.