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Orbán will frisches Geld aus China

Ministerpräsident Orbáns Besuch in China hatte nur einen Zweck: er will mehr frisches Geld und mehr Investoren aus China nach Ungarn holen. Das geht aus seinem der Nachrichtenagentur MTI in Shanghai gegebenen Interview hervor. Die bei seinen Verhandlungspartnern eingeleiteten Schritte zur Erweiterung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit werden sich schon in naher Zukunft in der Erhöhung der Investitionssummen chinesischer Firmen in Ungarn, in der Schaffung von Arbeitsplätzen und in der Zunahme der Zahl von ungarischen Exporten nach China zeigen. Das beziehe sich insbesondere auf die Elektronikindustrie und den Mobilfunk, betonte er mit Hinweis auf sein Treffen mit den Direktoren von ZTE, der Zhong Xing Telecommunication Equipment Company Limited, ein 1985 gegründeter Telekommunikationsausrüster mit Sitz im Shenzhen High-Tech Industrial Park und rund 30.000 Mitarbeitern, der sich vor allem mit Entwicklung und Herstellung von Geräten im Telekommunikations- und Netzwerkbereich beschäftigt und der Huawei, Technologies Co. Ltd., ein 1988 von Ren Zhengfei gegründeter Telekommunikationsausrüster mit Sitz in Shenzhen, Guangdong und mehr als 87.600 Mitarbeitern, der vor allem für seine Entwicklung und Herstellung von Geräten der Kommunikationstechnologie, wie Mobilfunk bekannt ist.

Auf Anfrage bestätigte Orbán, dass er mit dem Präsidenten der Fluggesellschaft Hainan Group, Feng Chen, auch über die Gründung einer neuen Fluggesellschaft in Ungarn, sowie über die Umstrukturierung der ungarischen Fluggesellschaft MALÉV verhandelt hat. Der als einer der reichsten Chinesen geltende und in mehreren Industriezweigen tätige Chen sei ebenfalls an einer langfristigen Zusammenarbeit interessiert. Eine dazu bestellte Kommission soll einen Vertrag für die Tätigkeit Chinas in Ungarn und deren Ausdehnung auf ganz Europa ausarbeiten. Mitglied der vom Ministerium für Nationalen Entwicklung zu bildenden Kommission wird von ungarischer Seite mit Sándor Demján, als Vorsitzender der Unternehmerverbandes Ungarn, auch ein Vertreter der ungarischen Unternehmer sein.

Die ungarische Delegation verhandelte Ende Oktober auch mit der Bank of Communications, der chinesischen Verkehrsbank, über ihre Präsens auf dem ungarischen Markt, um frisches Geld ins Land zu holen.

EU stellt Szegeder Paprika unter Schutz

Die Europäische Union hat jetzt gemahlenen Gewürzpaprika aus dem Anbaugebiet Szeged auf die Liste der „an geschütztem Herkunftsort hergestellten Erzeugnisse“ aufgenommen. Das wurde nach ungarischen Medienberichten vom Dienstag in Brüssel mitgeteilt. Damit ist sichergestellt, dass in der EU kein Produkt unter der Bezeichnung „Szegeder Paprika“ in den Handel gebracht werden kann, das nicht aus dem bezeichneten Gebiet stammt.

Das süße oder scharfe Gewürz aus Szeged und Umgebung bemüht sich schon lange darum, den Schutz für seinen Ursprung zu erhalten. Er steht in harter Konkurrenz nicht nur zum spanischen, sondern auch zum billigen chinesischen Paprika. Ähnlich verhält es sich mit Paprika aus dem Anbaugebiet von Kalocsa am südlich von Budapest gelegenen Donauabschnitt. Für ihn ist das Aufnahmeverfahren auf die EU-Liste noch im Gange.

Noch in den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts wurden in Ungarn jährlich 5500 Tonnen Gewürzpaprika hergestellt. Zu Spitzenzeiten standen dafür 14 000 Hektar zur Verfügung. Seither gab es einen empfindlichen Rückgang bei der Produktion des für Ungarn typischen Gewürzes. Vor zwei Jahren brachten nur noch 1000 Hektar Anbaufläche ein Ergebnis von 1500 Tonnen Gewürzpaprika.

Ungarns Außenhandel im Aufwind

Nach der tiefen Wirtschaftskrise hat der Außenhandel Ungarns in diesem Jahr kräftig Fahrt aufgenommen. Im Zeitraum Januar-August wuchs das Exportvolumen um 19, der Import um 16 Prozent zum Vorjahreszeitraum, teilte das Zentrale Statistische Amt am Dienstag (2.11.) in Budapest mit. Zu vergleichbaren Preisen betrug die Zunahme 17 und 15 Prozent, innerhalb Europas sogar 22 und 19 Prozent. Der Außenhandelsüberschuss machte 956 Milliarden Forint (rund 3,5 Milliarden Euro) aus. Während der ersten acht Monate des Jahres erreichte der Exportwert 12 496 Milliarden, der Importwert 11 540 Milliarden Forint (45,5 Milliarden bzw. 42 Milliarden Euro).

Eine herausragende Rolle spielt Deutschland beim furiosen Anstieg des ungarischen Außenhandels. Mit etwa einem Drittel ist es am Warenaustausch Ungarns mit anderen EU-Staaten vertreten und nimmt so mit Abstand den ersten Platz ein. Die Importe aus Deutschland stiegen um rund 22, die Exporte dorthin um 14,6 Prozent.

Erstarken des Forint gut für Kredite

Den Veröffentlichungen der Ungarische Nationalbank zufolge ging im September 2010 der Kreditstand ungarischer Haushalte um 400 Milliarden Forint zurück. Das ist zum großen Teil dem Erstarken des Forints dem Schweizer Franc gegenüber zu verdanken, denn weit über die Hälfte der Wohnungskredite waren in den Jahren zuvor auf der Basis von Schweizer Franc abgeschlossen worden. Andererseits sank der Notenbank zufolge dabei der Kreditstand der Haushalte im September um 10,8 Milliarden Forint allein durch Transaktionen.

Als Auswirkung der weltweiten Wirtschaftskrise kam es bereits 2008 zu starken Kursschwankungen und dadurch zu enormer Mehrbelastung der Haushalte mit Krediten auf CHF-Basis. Ende 2008 beschlossen deshalb einige Banken, allen voran die MKB, die Kredite auf CHF-Basis einzustellen. Andere Banken folgten nach. Heute reichen nur noch die AEGON-Bank und die UCB Grundpfandkredite auf CHF-Basis.

Am Ende des dritten Quartals 2010 betrug der Kreditstand in Haushalten 8358 Milliarden Forint, das sind rund 4,5% weniger als noch einen Monat zuvor. Ein Grund dafür liegt auch in der weiterhin sehr niedrigen Kreditnachfrage von Seiten der Haushalte und Kleinunternehmer.