Ungarn: Zuwachs in der Liste des Kulturerbes

Vier neue Mitglieder können sich seit Kurzem zum Immateriellen Kulturerbe Ungarns zählen: die Kirchendekoration zu Pfingsten in Maglód, die Szegediner Pantoffelherstellung, die ungarische Lipizzanerzucht und die Traditionen der ungarischen Jagdkunst – berichtet die Nachrichtenagentur MTI.



Péter Fekete, Staatssekretär für Kultur, betonte, dass im nationalen Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes alle Ungarn betreffenden kulturellen Bräuche und Traditionen gesammelt und gelistet werden. Weltweit zählen zum Immateriellen Kulturerbe lebendige Traditionen aus den Bereichen Tanz, Theater, Musik, mündliche Überlieferungen, Naturwissen und Handwerkstechniken, die entscheidend von menschlichem Wissen und Können getragen sind.

Ungarn gehörte zu den ersten Ländern, die sich dem internationalen Abkommen der UNESCO zur Erhaltung des Immateriellen Kulturerbes angeschlossen hat. Das Abkommen wurde bereits 2003 verabschiedet und ist ein wegweisendes Instrument zur Würdigung überlieferten menschlichen Wissens und Könnens, sowie zur Bewusstseinsbildung für dessen lokale, regionale und internationale Bedeutung.



Das Übereinkommen soll außerdem die internationale Zusammenarbeit im Bereich des Immateriellen Kulturerbes durch den Austausch von Informationen und Erfahrungen sowie durch gemeinsame, grenzüberschreitende Initiativen fördern. Einmal jährlich nimmt der verantwortliche UNESCO-Ausschuss neue immaterielle Kulturformen sowie gute Praxisbeispiele der Erhaltung Immateriellen Kulturerbes in die drei internationalen UNESCO-Listen auf.

Die drei Kategorien sind:

– In der Repräsentativen Liste des Immateriellen Kulturerbes der Menschheit kann man die weltweite Vielfalt des Immateriellen Kulturerbes finden.

– Die Liste des dringend erhaltungsbedürftigen Immateriellen Kulturerbes soll deutlich machen, dass einige Kulturformen durch globale wie auch lokale Entwicklungen bedroht sind und effektiver Erhaltungsmaßnahmen bedürfen. Hierzu hat die UNESCO unterstützend einen internationalen Fonds eingerichtet.

– Im Register der Guten Praxisbeispiele werden Modellprojekte gezeigt, in denen man zeigt, wie Immaterielles Kulturerbe effektiv und mit innovativen Methoden erhalten und an kommende Generationen weitergegeben bzw. lebendig weiterentwickelt werden kann.

Auch über die Aufnahme des Blaudrucks, einer jahrhundertealten Technik zur Stoffveredelung, entscheidet das Prüfungskomitee zum Immateriellen Kulturerbe Ende 2018. Der Blaudruck hat die deutsche Sprache mit Sprichwörtern wie „Du wirst Dein blaues Wunder erleben“ bereichert. Mit dem „Wunder“ ist die Verfärbung des Stoffes von weiß über gelb und grün nach blau in Reaktion mit Sauerstoff nach der Herausnahme aus der Indigoküpe gemeint.

Fekete wies darauf hin, dass laut dem nationalen Register in Ungarn aktuell 35 Gruppen existieren, die das Erbe ihrer Vorfahren aktiv bewahren bzw. weiterführen, denn sie gelten als Ausdruck von Kreativität und Erfindergeist, vermitteln Identität und Kontinuität. Aktuell zählt die Liste des Immateriellen Kulturerbes weltweit insgesamt 450 Einträge.



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