Der 520-ste Geburtstag von Katharina von Bora, Luthers Frau

Am 29.01.2019 gedenken wir des 520-sten Geburtstags der Katharina von Bora, Luthers Frau. Dieser Jahrestag bietet sich an, über die Rolle der Frauen in der Reformation nachzudenken.


Initiierte die Reformation eine tatsächliche Veränderung des weiblichen Rollenbildes?

Für die Veränderung der Rolle der Frauen der Reformationszeit brachte die Wiederentdeckung des biblischen Grundsatzes vom „Priestertum aller Gläubigen“ einen entscheidenden Durchbruch. Dieser Grundsatz bedeutet, dass nicht nur Männer und nicht nur Theologen zur Verkündigung des Evangeliums zugelassen sind, jeder Mensch hat das Recht, die Pflicht, die gute Botschaft zu verkündigen. Also waren Frauen in diesem Punkt gleichgestellt. Weil nach reformatorischer Überzeugung die Bibel der einzige Maßstab des theologischen Urteils ist, konnten Frauen (Gal 3,28: Da ist weder Jude noch Heide, weder Sklave noch Freier, weder Mann noch Frau) gleichrangig mit Männern um die richtige Auslegung der Schrift ringen.

Aus der Bibel ging nicht eindeutig hervor, dass Priester unverheiratet sein müssen, so heirateten viele männliche Reformatoren. Für sie, so wird es in den Schriften deutlich, war die Institution der Ehe eine Beziehung zwischen Mann und Frau auf Augenhöhe. Ob das im Alltag allerdings wirklich so gelebt wurde, lässt sich aus der heutigen Perspektive nur unzureichend beurteilen. Eindeutig finden sich aber in der Reformationszeit zunehmend mehr Spuren, die von Frauen aus allen sozialen Schichten und Ständen hinterlassen worden sind! Die später klassisch gewordene Pfarrfrau, wie Luthers Frau Katharina von Bora, gehört ebenso dazu, wie die Adlige oder Regentin.

Obwohl es mittlerweile mehr Informationen über Frauen in der Reformationszeit gibt, bleibt die Frage, wie diese Veränderungen zu interpretieren sind. War die evangelische Rollenerweiterung ein Schritt in die moderne Geschichte der Frauenbewegung und Frauenemanzipation? Oder beruhte die Möglichkeit, statt Nonne nun Pfarrfrau zu werden, nicht doch eher auf einem traditionellen Frauenbild? Leistete diese neue Rolle doch einem auf Güte, Frömmigkeit und gelebte Nächstenliebe beruhenden weiblichen Stereotyp Vorschub? An mehreren Beispielen wollen wir diesen Fragen nachgehen.

Pfarrfrauen statt Nonnen

Zu nennen ist Katharina von Bora. Sie ist, im Vergleich zu anderen Frauen der Reformationszeit, schon seit langem bekannt. Als Ehefrau Martin Luthers nannte man sie „die Lutherin“ und wegen ihrer Durchsetzungsfähigkeit wurde sie von ihrem Mann auch als „Herr Käthe“ bezeichnet.

Sie wurde am 29. Januar 1499 als Tochter einer verarmten Landadelsfamilie in der Nähe von Leipzig geboren. Wegen des frühen Todes ihrer Mutter musste sie in die Klosterschule gehen, und danach hielt sie sich im Zisterzienserinnenkloster Marienthron bei Grimma auf. Acht Jahre nach ihrem Nonnengelübde, in der Nacht von Karsamstag zu Ostersonntag (6./7. April 1523), floh sie mit elf weiteren Nonnen aus dem Kloster nach Wittenberg.

Sie hatte wohl per Briefe, die aus dem Kloster geschmuggelt werden mussten, Kontakt zu Reformatoren und las heimlich reformatorische Schriften. Ihr Ausbruch aus dem Kloster bedeutete völlige Rechtlosigkeit und Verlust der gesellschaftlichen Anerkennung, die sie als Nonne genoss. Das Unverständnis ihres Vaters und ihres Bruders waren ihr gewiss. Die entlaufenen Nonnen stellten auch für die reformatorische Bewegung ein Problem dar. Was sollte man mit ihnen anfangen? Zuerst waren sie in Familien untergebracht, aber das konnte auf Dauer nicht so bleiben. Eine Heirat schien der einzige Ausweg zu sein.

Luther heiratete Katharina 1525 und machte für viele andere damit den Weg zur Ehe frei. Das Paar wohnte im Augustinerkloster, und Katharina, die bereits im Kloster mit den reformatorischen Gedanken in Kontakt gekommen war, nahm sich mit Rat und Tat Luthers Schülern und dem Großbetrieb eines Pfarrhauses an. Sie kümmerte sich um Haus, Hof, Knechte und Mägde, um die Ernährung, den Obstbau, die Viehzucht und die Verköstigung der Familie, sowie der immer zahlreich vorhandenen Gäste im Hause Luthers.



Dass Katharina ein gleichberechtigter Partner für Luther war, zeigte nicht nur die obengenannte Anrede seiner Frau mit Herr Käthe, auch sein Testament zeugte davon. Er setzte sie zur Alleinerbin seines Vermögens ein. Das war aber zur damaligen Zeit rechtlich nicht möglich, weil alleinstehende Frauen, eben auch Witwen, immer einen Vormund bekamen. Es wurde ihr verwehrt, das Erbe anzutreten. Nach Luthers Tod, 1546, wurde dieses Testament aus genannten Gründen nicht umgesetzt. Katharina starb 1552 verarmt, an den Folgen eines Unfalles, als sie aus Wittenberg nach Torgau fliehen wollte.

Wie ist es denn nach Martin Luthers Zeit mit Frauen als Seelsorgerinnen bestellt? In strengem Sinn kann es gar keine geben, wenn das Verständnis von Seelsorge an das Amt des Pfarrers und die Ordination gebunden wird. „Die seelsorgerliche Wirkung von evangelischen Frauen geschah viereinhalb Jahrhunderte lang, ohne dass sie Zugang zum offiziellen Pfarramt gehabt hätten, angesichts einer hierarchisch ganz und gar von Männern dominierten Kirche“, schreibt Peter Zimmerling in seinem Buch über Evangelische Seelsorgerinnen.

Luther versteht die Seelsorge gebunden an Predigt, Taufe, Abendmahl, Beichte und das gegenseitige Gespräch, zu dem alle Christen berufen sind. Im Rahmen des Priestertums aller Glaubenden verstanden sich evangelische Frauen oft als zur Seelsorge berechtigt, was sich aber erst im Pietismus verwirklichte. Ihre Menschen begleitende Arbeit zeigte aber Wirkung und überdauerte Jahrhunderte.

Dr. theol. Heiderose Gärtner-Schultz

Pfarrerin Héviz und Balaton
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Tel. 0049 176 540 384 15
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