Nach schwachem DHB-Debüt: Gislason erwartet Steigerung

Deutschlands Handballer tun sich im ersten Pflichtspiel seit Ende Januar äußerst schwer. Bundestrainer Gislason gibt sich dennoch milde und setzt auf den Zeitfaktor. Schon am Sonntag steht die nächste Aufgabe an.

Beim zweiten Mal soll alles besser werden. Nach dem schwachen Auftritt der deutschen Handballer beim mühevollen 25:21 (9:13)-Auftaktsieg in der EM-Qualifikation gegen Bosnien-Herzegowina erwartet Bundestrainer Alfred Gislason im Gastspiel in Estland an diesem Sonntag (15.15 Uhr/ZDF) eine deutliche Steigerung.

«Wir wollen eine bessere Leistung bringen», versprach der 61 Jahre alte Isländer nach seinem durchwachsenen Debüt. Das erste Spiel als Bundestrainer nach neunmonatiger Wartezeit hatte sich der Erfolgstrainer ganz anders vorgestellt – vor allem vor der Pause. Da war der WM-Vierte nur ein Schatten seiner selbst. Die Torhüter waren nicht der gewohnte Rückhalt, die Abwehr offenbarte ungewohnte Lücken und im Angriff wurde viel verballert.

Dennoch gab sich Gislason in der Analyse ungewohnt milde – und suchte die Schuld mehr bei sich als bei seinen Schützlingen. «Natürlich war ich von der Leistung in der ersten Halbzeit enttäuscht. Aber ich mache den Spielern keinen Vorwurf. Wir sind nach langer Zeit endlich einmal wieder zusammengekommen und hatten nur zwei Trainingseinheiten. Man hat gesehen, dass die Dinge, die ich neu einarbeiten wollte, schlechter gelaufen sind als das, was von früher eingespielt war», resümierte Gislason.

Seinem Team fehlte im ersten Pflichtspiel nach 282 Tagen der Rhythmus – und vor leeren Rängen in Düsseldorf gerade in den schweren Phasen auch die Unterstützung der Fans. «Man muss sich erst einmal wieder daran gewöhnen, ein Länderspiel zu haben. Und dann auch noch ohne Zuschauer. Die hätten sicher geholfen», sagte Melsungens Abwehrspezialist Finn Lemke. «Aber das darf nicht als Ausrede gelten.» Sein Teamkollege Timo Kastening drückte es etwas drastischer aus: «Das war nichts. Es war eine Art Lähmung in der Mannschaft. Wir sind froh, dass wir am Ende trotz der trostlosen Kulisse noch zwei Punkte geholt haben.»

Mitten in der zweiten Welle der Coronavirus-Pandemie hatte die DHB-Auswahl offenbar Probleme, sich zu hundert Prozent auf den Sport zu fokussieren. Kein Wunder, hatte der Gegner doch gleich zwölf Corona-Ausfälle zu beklagen. «Wir haben alle ein bisschen Angst, quer durch Europa zu reisen», sagte Kreisläufer Patrick Wiencek vom deutschen Rekordmeister THW Kiel. «Es gibt derzeit Wichtigeres als Handball.»

Dennoch geht es am Sonntag in Tallinn weiter. «Da wird es auch nicht einfach», prophezeite Gislason vor dem ersten Länderspiel gegen Estland. Kapitän Uwe Gensheimer ließ jedoch keinen Zweifel an der Einstellung der Mannschaft: «Wir haben den Anspruch, die Dinge besser zu machen.»

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