DSV-Abfahrer verpatzen Heim-Weltcup – Nur Dreßen jubelt

Die deutschen Skirennfahrer können bei der letzten Abfahrt vor der WM nicht um das Podest kämpfen und verpassen in Garmisch gar die Top 10. Josef Ferstl muss nach einem Sturz ins Krankenhaus. Grund zur Zuversicht gibt es aber; das liegt an einem prominenten Vorläufer.

Thomas Dreßen ließ vor Freude die Skistöcke in der Luft kreisen, lachte breit auf und holte sich im Zielraum von Garmisch-Partenkirchen reihenweise Schulterklopfer ab.

«Ich bin extrem zufrieden von der Steigerung her, nicht nur von der Zeit, sondern auch vom Fahrerischen her», sagte der Abfahrer nach seiner beachtlichen Leistung. Das Pech für das deutsche Skiteam war dabei freilich, dass Dreßen einen Tag nach seinem Trainingscomeback nur als Vorläufer die Kandahar hinuntergerast war.

Im Rennen verpassten die zuletzt noch formstarken Teamkollegen Romed Baumann (14.) und Andreas Sander (24.) die Top Ten dann deutlich. «Wir haben heute nicht die Attacke gezeigt wie sonst in den Rennen», resümierte Alpinchef Wolfgang Maier. «Aber mei, das passiert.»

Josef Ferstl stürzte gar heftig, wurde durch die Luft und in einen Fangzaun geschleudert und musste zur Untersuchung in ein Krankenhaus gebracht werden. Bester Deutscher beim Sieg von Dominik Paris aus Südtirol war Dominik Schwaiger auf Platz zwölf (+1,36 Sekunden), der dem Oberbayern endgültig den WM-Startplatz sichern dürfte. «Den nehmen wir definitiv mit nach Cortina», bestätigte Maier.

Für die in der nächsten Woche beginnenden Weltmeisterschaften in Cortina d’Ampezzo wollten sich die deutschen Speed-Asse bei dem Heimrennen eine kräftige Portion Extra-Schwung holen. Neben Schwaiger gelang das aber nur dem Ende November an der Hüfte operierten Dreßen in seinem Wettlauf gegen die Zeit. Nachdem der Mittenwalder am Donnerstag erstmals in der Saison wieder ein Training auf einem Weltcuphang bestritten hatte, ließ er das Rennen sicherheitshalber noch aus und nutzte den Tag als Vorläufer, um weiter Selbstvertrauen zu tanken.

«Das war heute eine ganz andere Selbstverständlichkeit», berichtete der Kitzbühel-Sieger von 2018, für den eine Teilnahme an der WM immer wahrscheinlicher wird. «Mit dem positiven Gefühl tue ich mich jetzt natürlich leichter in Richtung Cortina», sagte er. «Ich glaube, dass ich dann eine gute Performance abliefern kann.»

Der fünffache Weltcupsieger ist für Cortina gesetzt, wenn er fit ist. Auch Sander und Baumann haben sich ihr Startrecht in den vergangenen Weltcups, etwa in Kitzbühel, verdient. Nun gilt es, sich von der verpatzten Garmisch-Abfahrt nicht verunsichern zu lassen. «Es war jetzt nicht so, dass ich skitechnisch irgendwelche Defizite gehabt hätte. Von daher beunruhigt mich das überhaupt nicht», fand Baumann.

Beunruhigt muss Schwaiger auch nicht sein – im Gegenteil: Nach seinen guten Vorstellungen in Kitzbühel unterstrich der 29-Jährige seine Klasse. «Ich glaube, die Form passt im Moment. So machen wir weiter!»

Pech hatte unterdessen Ferstl, der nach einer holprigen Saison mit einem starken Heimrennen noch mal für sich werben wollte. Nach einem starken Beginn riskierte er dann aber zu viel, wurde ausgehoben und über einen Sprung in den Eishang katapultiert. Trotz des Aufpralls konnte er selbstständig auf Ski ins Tal fahren. «Es hätte schlimmer ausgehen können», sagte Ferstl. Ein erster Check ergab keine Knieverletzung, die Hüfte und das Sprunggelenk aber schmerzten. Weitere Untersuchungen sollten Aufschluss geben, ob er sich doch verletzt hat.

Bis auf den Super-G-Sieger von Kitzbühel 2019 schafften es alle Deutschen immerhin in die Punkteränge, weil auch Simon Jocher und Manuel Schmid auf den Plätzen 25 und 29 unter die Top 30 kamen. Paris gewann vor Beat Feuz aus der Schweiz (+0,37) und dem Österreicher Matthias Mayer (+0,40) – die drei sind Topfavoriten auf WM-Gold. Aber vielleicht kann in dem Rennen dann auch Dreßen mitmischen.

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