Nachgedacht: Alle reden von Olympia …

… und warum? Weil immer noch Corona wütet, weil unsinnigerweise die Politik mitmischt, weil das IOC in keinster Weise konform agiert, weil die Kosten ins Unermessliche steigen, das zu Lasten des japanischen Volkes. Es waren definitiv nicht meine Spiele. Das lag aber nicht an den Leistungen der deutschen Sportler. Auf keinen Fall. Wenn die Ausbeute auch etwas geringer ausfiel als in Rio, so lag doch der olympische Atem in der Luft. Spannung, Kampf, Freude, Glück, Überraschung, Begeisterung, Enttäuschung, Verletzungspech – die Spiele schreiben eben ihre eigenen Geschichten und das im Zwei-Jahres-Rhythmus (inkl. Winterspiele).



Trotzdem wird das sportliche Großereignis 2020 nicht als das Non-plus-utra im Gedächtnis bleiben. Es gab zu viele negative Schlagzeilen. Tokio 2020 für mich nicht der Renner. Eröffnungsfeier und Schlussfeier – na ja? Umgang mit positiv getesteten Athleten – komplett versagt. Da bekommt der deutsche Radrennfahrer Simon Geschke gleich nach seiner Ankunft in Tokio die negative Nachricht – positiv. Abgeschottet in einem Hotel muss der arme Kerl 14 Tage in einem fensterlosen Zimmer dahinvegetieren ohne jeglichen Kontakt zur Außenwelt. So ungefähr wie im Mittelalter bei „Wasser und Brot“ – nur noch peinlich. Prophylaxe ist ja schön und gut, aber hier wurde die Grenze der Vorsichtsmaßnamen deutlich überschritten. Und dies betraf nicht nur unsere Sportler. Auch einige US-Amerikaner und diverse andere Nationen beschwerten sich über diese Behandlung ihrer „Positiven“ äußerst massiv.

Und da spricht IOC-Präsident Thomas Bach stets von Hoffnung, Zukunft und Einigkeit, eingespielt als Dauerschleife in einem Aufzeichnungsgerät. Schöne Worte, doch leider ganz und gar fehl am Platz. Moderner Fünfkampf der Frauen: Pferd und Reiter werden einander zugelost. Das heißt: Einer kennt den anderen nicht. Ergebnis: Pferde verweigern den einen oder anderen Absprung, die Frau am Zügel ist machtlos. Dann der Schrei außerhalb der Bande: „Hau doch mal drauf“. Ist das Olympia, frage ich mich? Ein besonderes Überbleibsel aus der Antike, wo Männer im kurzen Lendenschurz oder nackt nur um einen Kranz aus Lorbeer gegeneinander antraten. Nur noch vergangene Ideologien?

Heute geht es nur noch ums Geld, gepaart mit Politik, Ansehen, Vetternwirtschaft – so nach dem Motto „Hilfst Du mir, helfe ich Dir“. Eigentlich ganz einfach, oder nicht. In den Zeiten, wo Millionen und Milliarden Dollar keine Rolle mehr spielen, spielt auch der olympische Gedanke fast keine mehr. Schade, traurig, nicht zu verstehen. Ein kompletter Umbruch muss her, von ganz oben beim IOC und zwar zügig. Wenn nicht, werden sich bald nur noch wenige Länder (z.B. wo das Öl zuhause ist) finden lassen, das über zweitausend Jahre dauernde Sportereignis ausrichten zu wollen oder zu können. Die Uhr tickt, leider viel zu schnell.

Nachtrag: ein besonderer Moment für mich: Athleten aus verschiedenen Nationen fallen sich nach einem Sieg in die Arme. Wie etwa beim Turnwettbewerb der Frauen. USA und die russische Delegation krönen sich gegenseitig zum Medaillengewinn, knutschen sich ab, halten sich gegenseitig fest – Freude pur. Würde das nicht nur im Sport passieren, die Welt wäre um vieles reicher, schöner, lebenswerter.

Bis bald,
Ihre Eva