Matolcsy fordert einen institutionellen Wandel

Ungarn ist ein Nachzügler in Sachen Wettbewerbsfähigkeit, und das Land wird weiterhin die hohen Kosten tragen, wenn es sich in diesem Punkt nicht verbessert, schrieb György Matolcsy, der Präsident der ungarischen Zentralbank (NBH), in einem Artikel – berichtet die Nachrichtenagentur MTI.



Matolcsy argumentierte, dass die Wirtschaftspolitik der Regierung auf institutioneller Ebene grundlegend geändert werden müsse, um die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern. In dem in der Online-Ausgabe der Magyar Nemzet veröffentlichten Meinungsbeitrag sagte er, es sei nicht die Frage, ob die nächste Finanzkrise komme, sondern wann und in welcher Form sie auftrete. „Wir müssen den Schlüssel finden, der die Tore zu den Krisen richtig schließt“, sagte er und fügte hinzu, dass es auf den ersten Blick so aussehe, als ob die Zentralbanken diesen Schlüssel hätten, da sie in der Lage gewesen seien, ihre Bilanzen aufzublähen, um verschiedene Finanzkrisen der letzten Zeit zu bekämpfen. Diese Lösung habe jedoch ihren Preis, so Matolcsy, der darauf hinwies, dass in der ganzen Welt Finanzblasen entstanden seien: Da die Bilanzen der Zentralbanken zusammen mit der Staatsverschuldung und dem Haushaltsdefizit aufgebläht worden seien, hätten sich die Volkswirtschaften erholt und gleichzeitig die Inflation angeheizt.

Matolcsy betonte, dass die baltischen Staaten, Polen und Rumänien die Krise besser bewältigt hätten als andere, „auch wir Ungarn“. Dies liege an der Effizienz der Regierungsentscheidungen in Krisenzeiten sowie an der Wettbewerbsfähigkeit eines Landes. Der Präsident erklärte, es bestehe ein enger Zusammenhang zwischen Krisenmanagement und digitaler Vorsorge, und in Bezug auf sein Finanzsystem habe Ungarn in dieser Hinsicht dank einer nach 2013 eingeleiteten Trendwende, die zu schnellen Verbesserungen geführt habe, gut abgeschnitten.

Matolcsy sagte, dass sich Ungarns Wettbewerbsfähigkeit im Zuge der Krisenbewältigung verbessert haben könnte, da die Krise eine interne wirtschaftspolitische Pattsituation aufgelöst habe und die jährlichen Haushaltsinteressen nicht mehr die treibende Kraft hinter den Vorschlägen zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit seien. Dies habe jedoch zu einem hohen Haushaltsdefizit und zu einer hohen Staatsverschuldung geführt, fügte er hinzu. Um einen Sprung in der Wettbewerbsfähigkeit zu gewährleisten, sei eher wirtschaftspolitisches als haushaltspolitisches Denken erforderlich.