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Ungarn: Arbeitskräftemangel gefährdet Tourismus

Der Verband der Arbeitgeber im Tourismus und in der Gastronomie (VIMOSZ), der Verband der Arbeitgeber in Industrie und Gewerbe (MGYOSZ) und die Tourismusbranche luden unter dem Arbeitstitel „Arbeitskräfte gesucht“ zu einer Konferenz nach Budapest. Die Verbände reagierten damit auf das sich im Sommer zugespitzte Problem des Arbeitskräftemangels.



In den letzten Jahren seien unzählige qualifizierte Arbeitskräfte mit der Hoffnung auf einen guten Arbeitsplatz und bessere Verdienstmöglichkeiten in westliche Länder der EU abgewandert. Das habe dazu geführt, dass in einigen Branchen, allen voran im Tourismus, oft keine normale Tätigkeit möglich ist, hieß es. Nun bestehe die Gefahr, dass bei dem damit einhergehenden abfallenden Niveau in den Dienstleistungen die Touristen wegbleiben.

Der Vorsitzende von VIMOSZ, Pál Zoltán Gál, betonte, dass die Abwanderung eine zunehmend ernste Situation darstelle und Gegenmaßnahmen von Seiten der Regierung erforderlich mache. In Ungarn sei die Landwirtschaft privilegiert, obwohl sie einen wesentlich kleineren Anteil zum GDP leiste als die Tourismusbranche. Die Statistik zeigt, dass der Tourismus auch in diesem Jahr mit bisher 25 Millionen Gästeübernachtungen, sowie 350 Milliarden Forint Umsatz allein in den Unterkünften ein sehr gutes Ergebnis abgeliefert hat.

Im internationalen Vergleich bleibe aber die Rentabilität der Branche aufgrund der enormen Steuerbelastungen weit zurück. Das derzeitige, auf Minimallohn basierende System ist im Vergleich zu Deutschland, Österreich und Großbritannien in keiner Weise wettbewerbsfähig.

Pál Zoltán Gál sieht für die Tourismusbranche in der Senkung der Mehrwertsteuern, der Lohnsteuern und der Repräsentationssteuern eine Möglichkeit, der Abwanderung der Arbeitskräfte entgegenzusteuern. „Auf den ersten Blick sieht das nach einer Verlustrechnung für den Staat aus, die Branche würde aber innerhalb weniger Jahre die anfänglichen Verluste kompensieren.“

Der stellvertretende Staatssekretär für Tourismus, Ádám Ruszinkó, reagierte darauf, dass im Tourismus 400-500 Tausend Arbeitnehmer beschäftigt sind. Es sei das Ziel der Regierung, die Arbeitskräfte im Lande zu halten. Die Regierung greife aber nicht in die Gestaltung weder der Preise noch der Löhne ein. Ihre Aufgabe sei es, die Nachfrage z.B. mit den Rabattkarten für den Inlandstourismus anzukurbeln, was schließlich zur Erhöhung der Preise und Löhne führe.

Der Vizepräsident des MGYOSZ, Ferenc Rolek, sieht in der Ausbildung der verarmten Schichten des Landes und deren Rückführung auf den Arbeitsmarkt eine langfristige Lösung zur Bildung einer Arbeitskräftereserve für die Tourismusbranche und erwartet auf diesem Gebiet Unterstützung.

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