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Gedenken an ermordete Roma in Budapest

In Békásmegyer im III. Stadtbezirk von Budapest gedenken heute viele Roma-Familien und sympathisierende Einwohner Róbert Csorba und seinem fünfjährigen Sohn, die am 23. Februar 2009 Opfer eines rassistischen Angriffes wurden. Der damals 27-jährige Mann flüchtete mitten in der Nacht mit seinem kleinen Sohn auf dem Arm aus seinem durch Molotow-Cocktails in Brand gesetzten Haus in Tatárszentgyörgy im Komitat Pest, woraufhin beide von einem aufgebrachten, vor dem Haus brüllenden Mob brutal mit mehreren Schüssen aus unmittelbarer Nähe ermordet wurden.



Dieser Mordanschlag war Teil einer Serie rassistischer Ausschreitungen Rechtsradikaler in den Jahren 2008-2009, infolge dessen 6 Menschen, darunter der fünfjährige Robika ermordet und 5 Personen, darunter zwei junge Mädchen, lebensgefährlich verletzt wurden. Der letzte Angriff fand am 3. August 2009 statt, als die Mörder nachts in ein Haus eindrangen, wo sie eine schlafende Frau erschossen und deren Tochter mit 150 Kugeln aus einer Schrotflinte lebensgefährlich verletzten.

Die Gedenkfeier fand in der Organisation des Roma Parlaments Ungarn und der Evangelical Fellowship of Hungary (MET) mit einem Gottesdienst und dem Besuch der Gräber statt. Beim Anzünden der Kerzen wurde allen Opfern der rassistischen Anschläge gedacht. Die Menschen mussten wegen ihrer Herkunft sterben. Ultrarechte Vereinigungen versuchten damals einen Bürgerkrieg zwischen der Minderheit der Roma und der Mehrheit der anderen Ungarn zu provozieren, hieß es.

Die Polizei nahm im August 2009 in einem Club von Debrecen vier, mit den Taten verdächtigte Männer fest. Ein Jahr später wurden die polizeilichen Untersuchungen abgeschlossen und Anklage gegen die vier Personen erhoben. Die im Laufe der Prozesse ausgesprochenen Urteile wurden im Januar 2016 mit dem Urteil des Obersten Gerichtes rechtkräftig: Árpád Kiss, István Kiss und Zsolt Pető wurden zu lebenslangem Zuchthaus verurteilt. Das Urteil von 13 Jahren Gefängnis gegen István Csontos – Fahrer bei zwei Morden – erlangte bereits früher Rechtskraft.

Einige der Zurückgebliebenen wollen nun den Staat verklagen, weil sie der Überzeugung sind, der Staat und die Polizei haben bei den rassistischen Ausschreitungen zu lange untätig zugesehen und hätten bei schnelleren, rigorosen Maßnahmen die Morde verhindern können.

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