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Sommerfest der Deutschsprachigen Evangelischen Gemeinde Balaton-Hévíz

Die Deutschsprachige Evangelische Gemeinde Balaton-Hévíz feierte auch in diesem Jahr ihr Sommerfest mit einem gut besuchten Gottesdienst und anschließendem Brunch bei Kirchenvorstandsmitglied Martina in der schönen „Alten Mühle“ in Kehidakustány. Bei herrlichem Wetter waren mehr als sechzig Gemeindemitglieder und Urlaubsgäste zu diesem Anlass erschienen.



Pfarrerin Bettina Gummel gestaltete den Gottesdienst im Freien, im Schatten der Bäume und stellte die Gemeinde vor eine Frage, die schon vor rund zweitausend Jahren zwei Schwestern beschäftigte: Martha und Maria. Grundlage der Predigt war die Erzählung aus dem Lukasevangelium, Kapitel 10: Jesus kommt zu Besuch bei den Schwestern Martha und Maria. Während Maria sich zu seinen Füßen setzt und aufmerksam zuhört, ist Martha ganz mit der Bewirtung der Gäste beschäftigt. Als Martha sich bei Jesus beschwert, dass ihre Schwester ihr nicht hilft, antwortet er, Maria habe „das Bessere gewählt“. Bevor Pfarrerin Gummel die Geschichte auslegte, bat sie die Festgemeinde um ihre Meinung: Wer hätte, wäre er oder sie damals dabei gewesen, für Maria Partei ergriffen und wer für Martha? Die Mehrheit der Anwesenden entschied sich für Martha, wie die Handzeichen zeigten. Genau an diesem Punkt setzte die Predigt an, denn im biblischen Text ergreift Jesus eindeutig Partei für Maria.

Plädoyer für Maria: Bildung und Zuhören als Vorrecht

In ihrer Predigt näherte sich Bettina Gummel der Geschichte von zwei Seiten. Zunächst verteidigte sie Marias Entscheidung. Sie erinnerte daran, wie ungewöhnlich es für die damalige Zeit war, dass eine Frau sich zu einem Lehrer setzte und am Gespräch teilnahm – ein Verhalten, das religiöse Bildung und Diskussion normalerweise den Männern vorbehielt. Dass Jesus Maria ausdrücklich in Schutz nimmt, deutete die Pfarrerin als klares Zeichen dafür, dass Frauen nicht auf häusliche und dienende Rollen beschränkt bleiben sollten – eine Haltung, die sie auch mit der heutigen Bewegung „Maria 2.0“ in Verbindung brachte. Sie verwies zudem auf die schrittweise Gleichstellung von Frauen in kirchlichen Ämtern, etwa seit 1975 in der rheinischen Kirche, während dieser Prozess in der römisch-katholischen Kirche noch nicht abgeschlossen sei.

Plädoyer für Martha: Würdigung der praktischen Fürsorge

Im zweiten Teil ihrer Predigt nahm Bettina Gummel sich der oft zu kurz kommenden Martha an. Sie erläuterte die Bedeutung des aramäischen Namens „Martha“ – „Herrin“ oder „Gebieterin“ – und stellte Martha als tatkräftige, tonangebende Persönlichkeit vor, die Jesus in ihr Haus aufnimmt. Martha stehe in der kirchlichen Tradition als Symbol für die Diakonie, den tätigen Dienst am Nächsten, etwa in der nach ihr benannten Martha-Stiftung in Hamburg. Als katholische Heilige gilt sie als Schutzpatronin von Hausfrauen, Köchen und Gastwirten. Besonders eindrücklich fand die Pfarrerin die Darstellung Marthas auf dem Marthaaltar der Nürnberger St.-Lorenz-Kirche, wo sie einen Drachen nicht tötet, sondern zähmt und an der Leine führt – ein Bild für Stärke ohne Gewalt.

Beide Seiten gehören zusammen

Am Ende führte die Predigt beide Haltungen zusammen. Die Pfarrerin wies darauf hin, dass der Evangelist Lukas die Erzählung bewusst zwischen zwei andere Texte stellt: das Vaterunser, das für das „Maria-Prinzip“ des Betens und Zuhörens steht, und das Gleichnis vom barmherzigen Samariter, das für das „Martha-Prinzip“ des tätigen Helfens steht. Wort Gottes hören und Wort Gottes tun gehörten untrennbar zusammen, so wie Martha und Maria Schwestern derselben Familie sind. Die Pfarrerin lud die Festgemeinde ein, die jeweils andere Seite in sich selbst zu entdecken: Wer sich eher als „Martha“ versteht, dürfe auch einmal loslassen und sich Ruhe gönnen. Wer sich eher als „Maria“ sieht, dürfe die Freude an praktischem Tun für andere entdecken. Zum Abschluss ergänzte sie die biblische Erzählung um einen versöhnlichen, selbst formulierten Nachsatz, in dem Jesus auch Martha einlädt, sich auszuruhen und für ihre Seele sorgen zu lassen.

Der musikalisch von Uschi Herbig begleitete Gottesdienst bildete den Auftakt zum gemeinsamen Feiern beim Sommerfest, das gleichzeitig bereits eine Art Abschied von der Pfarrerin war. Nach einem Jahr Auslandsdienst als Pfarrerin i.R. kehrt Bettina Gummel mit ihrem Mann zusammen nach Deutschland zurück. Am 30. August verabschiedete sie sich offiziell im Gottesdienst und bei einem letzten geselligen Zusammensein. Am 6. September übernahm Pfarrerin Michaela Nieland-Schuller das Amt, sie wurde ebenfalls sehr herzlich in Hévíz begrüßt.

Deutschsprachige Evangelische Gemeinde Balaton-Hévíz
8380 Héviz, Hunyadi utca 10
www.evkircheheviz.de