Dämmen wir uns krank?

Die Energieeinspar-Verordnung und der Wunsch Energie einzusparen zwingt Hausbesitzer zu Dämmmaßnahmen. Die Folge: Es wird weiter gedämmt und oft nicht fachgerecht. Die Häuser werden noch luftdichter gemacht. Dabei werden häufig bei Wärmedämm-Verbundsystemen billige Styropor-Dämmungen aufgebracht.



Was bei Dämmmaßnahmen allerdings oft vergessen wird, ist für eine ausreichende Lüftung zu sorgen, denn Wohngifte und Schimmelpilze aus den eigenen vier Wänden können sich erheblich anreichern und uns gesundheitliche Probleme bereiten. Schon heute ist unsere Innenraumluft deutlich stärker mit Schadstoffen belastet als die Außenluft. Mit zunehmender Abdichtung gegen Wärmeverluste steigen aber auch Luftschadstoffkonzentrationen in der Wohnung zunehmend an.

So gasen Schadstoffe aus Möbeln, Elektrogeräten, Wandfarben, Teppichen oder Bauprodukten aus und reichern sich in der Innenraumluft verstärkt an. Beispielsweise können so Holzschutzmittel, Lösemittel, Weichmacher oder Flammschutzmittel gesundheitsrelvante Konzentration erreichen, die langfristig krank machen. Aber auch Schimmelpilze und andere Keime können durch ansteigende Raumfeuchten bedenkliche Konzentrationen erreichen.

Daher ist es besonders wichtig, auf umweltfreundliche Baustoffe und schadstoffarme Einrichtungsgegenstände zu achten, die auf Schadstoffe hin geprüft sind. Orientieren können sich Verbraucher an Hand von verschiedenen Gütesiegeln und Labels wie „Natureplus„, „IBN“, „eco-Instiut“, „Blauer Engel„. Wenn es um gesunde Baustoffe und Möbel geht, sind Baubiologen hierfür die richtigen Ansprechpartner.

Was viele auch nicht wissen: Der häufig verwendete Dämmstoff EPS (Handelsname Styropor) für sogenannte Wärmedämm-Verbundsysteme (WDVS) enthält problematische Inhaltsstoffe wie beispielsweise Flammschutzmittel und kann trotzdem heftig brennen, wie neueste beeindruckende Untersuchungen und Unglücke gezeigt haben. Muss diese Dämmung erneuert werden, kann das alte System nur teuer als Sondermüll entsorgt werden. Außerdem muss in der Fassadenfarbe ein umweltschädliches Fungizid/Algizid beigemischt werden, um Algen- und Schimmelpilzbildung zu reduzieren. Diese Schadstoffe werden vom Regen abgewaschen und gelangen so in unser Grundwasser.

Eine gesunde Dämmung ist gut und wichtig. Sofern nicht schon durch geeignete Baustoffe eine ausreichende Dämmung erreicht wird, kann durchaus ein Wärmedämm-Verbundsystem aus nachwachsenden Produkten, wie beispielsweise Holzweichfaser, oder mineralischen Dämmplatten (z.B. Mineralschaum) bestehen. Solche Materialien sind diffussionsoffen, gesundheitlich verträglich.

Volkmar Hintze
öko-logo
Ingenieurbüro für Schadstoffanalytik & Baubiologie
www.oeko-logo.eu

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