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Ungarn: Giftschlamm-Katastrophe fordert weitere Opfer

Die ätzenden Schlammmassen aus dem Reservoire der Aluminiumfabrik Ajka in Ungarn haben eine Umweltkatastrophe von bislang unkalkulierbarem Ausmaß ausgelöst. Am Dienstag stieg die Zahl der Todesopfer auf fünf, weitere Menschen werden vermisst. Beim vierten Opfer handelte es sich um ein einjähriges Mädchen, als fünfte Tote wurde eine Frau gefunden. Sieben Menschen waren noch immer vermisst.

Seit am Vortag bis zu einer Million Tonnen ätzenden Schlamms aus der Tonerde-Verarbeitung die Deiche durchbrachen und sich über die Region wälzten, kämpfen Einsatzkräfte darum, die Lage unter Kontrolle zu bekommen. Roter Schlamm bedeckt die drei Orte Devecser, Kolontár und Somlóvásárhely. 120 Menschen wurden durch den Schlammstrom verletzt, zwei davon schwer. Hunderte Menschen mussten in Sicherheit gebracht werden.

Die Regierung rief den Notstand für die drei Komitate Veszprém, Győr-Moson-Sopron und Vas aus. Ministerpräsident Viktor Orbán forderte Innenminister Sándor Pintér auf, die strafrechtliche wie auch die materielle Verantwortung für das Geschehen genau zu untersuchen. Die Regierung werde die Betroffenen nicht im Stich lassen, erklärte der Sprecher des Ministerpräsidenten, Péter Szijjártó, im Fernsehen. Bislang habe Ungarn noch keine Hilfe der EU angefordert, jedoch Brüssel die Tatsache der Katastrophe mitgeteilt. Später, sobald die Gelegenheit dafür gekommen sei, werde Ungarn die Union m Hilfe bitten und Hilfe annehmen.

Regierungsmitglieder begaben sich inzwischen ins Katastrophengebiet. Der stellvertretende Regierungs-Chef Tibor Navracsics, Innenminister Pintér und der Chef des ungarischen Katastrophenschutzes, György Bakondi, überzeugten sich persönlich vom Umfang des Unglücks.

Inzwischen begann die Raparatur des gebrochenen Deichabschnitts, teilte die Ungarische Aluminium Produktions- und Handels AG mit. In einem Kommunique, das das verantwortliche Unternehmen am Tag nach dem Schlammstrom herausgab, räumt es „gewaltige Schäden in den umliegenden Ortschaften“ ein.

Nach ersten Schätzungen seien jedoch 96 bis 98 Prozent des roten Schlamms im Schlammbecken geblieben. Das Unternehmen behauptet, dass nach einer Lageanalyse vom Dienstag auch bei sorgfältiger Einhaltung der Technologie die Vorzeichen der Katastrophe nicht hätten bemerkt oder etwas zur Verhinderung getan werden können. Nach der Abfallnorm der EU gelte der Schlamm nicht als gefährlich, hieß es weiter. Die Bestandteile seien stabil und lägen in gebundener Form vor.

Staatssekretär Zoltán Illés hingegen erklärte, dass zwar der große Teil der bei der Fabrik gelagerten rund 30 Millionen Kubikmeter im Reservoire geblieben sei. Doch die gesamte flüssige Menge aus dem Behälter Nummer 10 sei ausgelaufen. Es bestehe der Verdacht, dass in diesem Teil des Reservoires wesentlich mehr Schlamm gelagert wurde, als erlaubt war.