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Greenpeace: Gefährliche Giftstoffe im Katastrophengebiet

Nach Analysen des roten Schlamms im ungarischen Katastrophengebiet hat Greenpeace am Dienstag (12.10.) auf die erheblichen Gefahren enthaltener Giftstoffe aufmerksam gemacht. Neben Arsen könnten mindestens drei weitere Elemente dauerhafte Probleme in der Region von Ajka verursachen, teilte die Umweltorganisation in Wien mit. Sie bezog sich dabei auf die neueren Ergebnisse chemischer Analysen, die sie in Auftrag gegeben hatte. So könne der Antimon-, Nickel- und Kadmiumgehalt des roten Schlamms für Mensch, Tier und Gesundheit gleichermaßen „problematisch“ sein. In ihrem Kommunique kritisierte die Organisation die Regierung Ungarns, die nach ihren Beobachtungen „bislang noch keinerlei Analyse-Ergebnis veröffentlicht“ habe.

Das Umweltbundesamt in Wien wies in einer Untersuchung einen Wert von 40 Milligram je Kilogramm von dem „potentiell krebserregenden“ Antimon nach, das Dreifache des im Boden zulässigen Wertes. Von dem allergenen Nickel seien 270 mg/kg gemessen worden, ebenfalls ein Anteil, der über dem erlaubten Grenzwert liegt. Die Kadmiumkonzentration von 7 mg/kg liege zwar unter dem Grenzwert, könne jedoch im Falle eines ohnehin vo Kadmium belasteten, etwa mit Kunstdünger bearbeiteten Boden Probleme verursachen. Kadmium habe auch eine schädliche Wirkung auf die Fortpflanzung und schädige die Nerven.

Schon am Freitag letzter Woche hatte Greenpeace auf der Basis erster Auswertungen mitgeteilt, dass der rote Schlamm von Kolontár gefährlicher ist als offiziell behauptet werde. Auf einer Pressekonferenz in Budapest erklärten Greenpeace-Vertreter, dass die Arsenkonzentration in Proben aus Kolontár doppelt so hoch sei wie der für roten Schlamm charakteristische Wert. In Wassergräben der Siedlung sei das 25-Fache des fpr Trinkwasser zulässigen Arsengehalts gemessen worden, sagte Greenpeace-Direktor Zsolt Szegfalvi.

Die Landes-Katastrophen-Hauptdirektion erklärte indessen gegenüber der Nachrichtenagentur MTI, dass sie die Messungen der Ungarischen Wissenschaftsakademie und des Amtsärztlichen Dienstes als authentische und wissenschaftliche Quelle betrachte. Der Amtsärztliche Dienst prüfe kontinuierliche die Qualität des Trinkwassers, die sich innerhalb der zulässigen Grenzwerte befinde. Freilich würden die Proben nicht aus den Abwassergräben entnommen, denn das sei kein Trinkwasser. Ergebnisse über Luft- und Bodenverschmutzung lägen noch nicht vor.

Wie Greenpeace am Dienstag weiter mitteilte, ist im Katastrophengebiet auch der Wert von Feinstaub um 100 Prozent überhöht. Die Feinstaub- und Ultrafeinstaubwerte lägen trotz Windstille gefährlich über den zulässigen Grenzwerten. In Devecser ergaben Messungen mit einem eigenen Feinstaubmessgerät dass die Belastung derzeit zwischen 60 und 300 Mikrogramm je Kubikmeter schwankt. Der Grenzwert liege bei 50 Mikrogramm und der dürfe nur an 35 Tagen im Jahr überschritten werden.

Auch die Ultrafeinstaubwerte liegen laut Greenpeace deutlich über dem Grenzwert. „Sollte in den nächsten Tagen auch noch Wind aufkommen, befürchten wir, dass die Feinstaubwerte um ein Vielfaches steigen werden“, kommentierte Greenpeace-Sprecher Jurrien Westerhof die Lage.