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Autobahn M7 gesperrt – Ausnahmezustand in Ungarn

Die Rückkehr des Winters hat die meisten Pläne für das lange Wochenende vom 15.-17. März rund um den Nationalfeiertag zunichte gemacht. Ein Schneesturm ist mit solcher Macht über Ungarn hereingebrochen, dass Spitzengeschwindigkeiten von weit mehr als 100 km/h gemessen wurden. Der Wind kam aus allen Richtungen und blies die Fenster an den Häusern mit Schnee zu und Autofahrer verloren in Sekundenschnelle jede Sicht.

Bereits am 14. März kam es in kürzester Zeit zu unzähligen Unfällen sowohl auf Autobahnen als auch auf Landstraßen. Später sorgten enorme Schneewehen für Hindernisse und Straßensperrungen – ein Durchkommen war unmöglich.

Besonders betroffen ist die Region Bakony-Balaton. In Veszprém und vielen anderen Orten wurden alle Straßen aus und in die Ortschaften gesperrt. Tausende Menschen konnten nach der Arbeit nicht in ihre Wohnung zurückkehren und suchten bei Freunden, im Hotel Unterschlupf oder verbrachten mancherorts bis zu 30 Stunden im Auto.

Wer zum Ausflug gestartet war, musste unterwegs Quartier nehmen. Ganz besonders hart traf es Tausende an Lkw und Pkw auf der Hauptstraße 8 und auf der Autobahn M7.

Durch den vollkommen unerwarteten Temperaturabsturz verwandelte sich die Autobahn in eine Eisbahn, so dass Hunderte Lkw und Pkw im Straßengraben landeten. Die Bergung der Autos führte zu einer Totalsperrung von mehr als 24 Stunden auf der Autobahn. Den Autofahrern in der Nähe von Ortschaften konnte geholfen werden.

Die kleine Gemeinde Polgárdi zum Beispiel versorgte aufopferungsvoll Tausende von der Autobahn abgeleitete Autoinsassen. Für Familien mit Kindern wurde der Kindergarten geöffnet, alle anderen fanden in der Sporthalle Unterschlupf. Bürgermeister und Einwohner waren vom 14. zum 15. März die ganze Nacht auf den Beinen, um die Gestrandeten mit heißen Tee, Broten und Decken zu versorgen. Ein Bäcker backte frisches Brot, Frauen des Dorfes brachten den Belag für die Stullen in riesigen Behältern. Erst in den Mittagsstunden konnten sich hier die ersten Autos langsam auf den Weg über die Landstraßen machen. Im Bakony-Gebirge sind Straßensperrungen noch bis Montag gültig.

Während sich der Ministerpräsident am Nationalfeiertag offenbar wieder im Ausland aufhält, zeigten die Bevölkerung, Tausende freiwillige Helfer, Katastrophenschutz und Polizei gerade an diesem Tag Zusammenhalt, Hilfsbereitschaft und unglaubliches Mitgefühl.

Die für den 15. März angekündigten Gedenken und Demonstrationen wurden verschoben. Milla ruft zur Demonstration für Pressefreiheit am Sonntag um 15 Uhr in Budapest am Kálvin tér auf. Bis dahin soll sich das Wetter beruhigt haben und die Sonne scheinen.