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Verteilung von Lebensmitteln in Budapest

Die Menschenschlange auf dem Blaha Lujza tér von Budapest wollte nicht enden, das Warten dauerte länger als gedacht und so kam es unter den ungeduldigen Menschen zu heftigen Streitereien. Dabei wollte die Oppositionspartei Demokratische Koalition (DK) mit ihrem Vorsitzenden, dem vor Jahren zurückgetretenen Ministerpräsidenten, Ferenc Gyurcsány, an der Spitze nur helfen: sie hatte in der Adventszeit am 14. Dezember 2015 eine kostenlose Lebensmittelverteilung zur Minderung des Hungers angekündigt. Wie bereits in den Jahren zuvor folgten viele bedürftige Menschen dem Aufruf.



Aussagen von Augenzeugen zufolge sollen es in diesem Jahr so viele, wie noch nie zuvor gewesen sein. Unter den Bedürftigen waren ganze Familien aus Ungarn und Rumänien, Menschen der Roma-Minderheit und Obdachlose.

Auf der vorangegangenen Pressekonferenz sagte Gyurcsány, dass es nicht schön sei, in einem Land zu leben, in dem die Regierung nicht die Stimme der in Armut lebenden Menschen hört. In seinen politischen Statements rief er den Leuten im Lande zu, dass auch wieder bessere Zeiten kommen werden.

„Das Engagement der Politiker der DK soll vielleicht eine Art Wiedergutmachung sein, denn schließlich hat ja auch Gyurcsány seinen Beitrag dazu geleistet, dass es so weit gekommen ist“, sagte ein seit Jahren obdachloser Mann. „Solche Mini-Aktionen reichen dafür aber nicht aus, auf jeden Fall sind sie eine Geste.“

Dem Nachrichtensender ATV sagte Ferenc Gyurcsány: „Es ist eine dramatische Situation, dass kurz vor Weihnachten so viele Menschen wegen eines Lebensmittelpaketes im Wert von ein paar Tausend Forint anstehen müssen.“ Es sei die Verantwortung der Regierung dafür zu sorgen, dass die Menschen ausreichend Geld zum Leben haben, monatliche 27 Tausend Forint (etwa 87 Euro) Sozialleistungen für die Ärmsten seien eine unwürdige Summe in einem Land wie Ungarn, wo sich die Oberschicht mit boomender Wirtschaft brüstet.

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