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Die Tücken der Selbstständigkeit: Den Finanzplan selbst erstellen in 7 Schritten

Für viele Existenzgründer ist die Erstellung des Finanzplans ein Buch mit sieben Siegeln. Jedoch ist die Finanzplanung neben dem Businessplan ein fester und vor allem wichtiger Bestandteil einer jeden Existenzgründung. Keine Bank ist bereit, Darlehen oder Kredite für die Unternehmensgründung zu gewähren, wenn keine Prognosen über die finanziellen Verhältnisse – und somit den geplanten Gewinnen – vorliegt.

Eine Gründung bedarf immer auch Startkapital, zur Unternehmensgründung gehört daher auch, sämtliche Finanzierungsmöglichkeiten zu ermitteln. Bankkredite sind eine Möglichkeit, Banken verlangen jedoch eine genaue Aufstellung des vorhandenen Eigenkapitals, der erwarteten Ausgaben und Gewinne. Doch auch ohne Kredit stellen diese drei Punkte eine wichtige Grundlage für einen erfolgreichen Unternehmensstart dar.

Die Finanzplanung wird meist für die nächsten fünf Jahre erstellt und lässt sich in folgende Punkte unterteilen:

  1. Persönliche Ausgaben
  2. Umsatz-Prognose
  3. Investitionsplan
  4. Betriebskosten
  5. Rentabilität
  6. Liquidität
  7. Finanzierungsplan

Zu Beginn sollten immer die Ausgaben für den persönlichen Lebensunterhalt erfasst werden. Eine Liste mit allen Ausgaben von Miete über Nebenkosten bis hin zu Handyverträgen, Mitgliedsbeiträgen und Ratenzahlungen bietet hierfür die beste Übersicht.

Die Tücken der Selbstständigkeit: Den Finanzplan selbst erstellen in 7 Schritten
Einen Finanzplan selbst erstellen

Als nächstes müssen die zukünftigen Umsätze der nächsten ein bis drei Jahre geplant werden. Für Gründer ohne vorherige Erfahrungen ist dies wohl mit der schwierigste Teil. Denn es müssen sowohl die Produktnachfrage, der Wettbewerb und die Marktentwicklung sowie die Kosten für Werbemaßnahmen und Vertriebsbemühungen realistisch und nicht optimistisch eingeschätzt werden. Eine möglichst genaue Kalkulation ist vor allem wichtig, um eine Gegenüberstellung mit den zu erwartenden Kosten zu ermöglichen.

Im dritten Schritt werden die geplanten Anschaffungen und andere Investitionen bestimmt. Hierzu zählen zum Beispiel Neuanschaffungen an Büromöbeln, neuer Software, neuen PCs und PC-Komponenten sowie Maschinenreparaturen. Interessant sind dabei nur Anschaffungskosten von mindestens 400 EUR. Kleinere Anschaffungswerte zählen zu den geringwertigen Wirtschaftsgütern und werden bereits im Anschaffungsjahr abgeschrieben.

Zu den Betriebskosten zählen zum Beispiel Material- und Herstellungskosten, Miete, Nebenkosten, Versicherungen, Internet- und Telefonanschluss, Werbekosten sowie Kosten für Kfzs. Vor allem Werbekosten werden von Existenzgründern oft zu gering eingeschätzt, obwohl sie Hauptantrieb bei der Markteinführung des Produkts oder der Dienstleistung sind.

Auf Basis von geplanten Umsätzen und Kosten kann nun die Gewinnermittlung bzw. die Rentabilitätsrechnung erfolgen. Diese Rechnung stellt den Kern der Finanzplanung dar. Hier werden die Betriebskosten sowie die anfallenden Steuern von den Einnahmen abgezogen, Ergebnis ist der Netto-Gewinn. Dieser kann nun mit den im ersten Schritt ermittelten Lebenshaltungskosten verglichen werden, um Überschüsse oder Defizite festzustellen.

Dies bildet bereits Punkt 6.: die Liquiditätsplanung. Ein Unternehmen ist illiquide, wenn es seinen Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommen kann und wenn auch keine weiteren Finanzmittel zur Tilgung bereitstehen. Dies endet häufig in der Insolvenz. Um dies zu verhindern, bedarf es einer genauen Liquiditätskontrolle mit Hilfe eines Liquiditätsplanes, der alle Entwicklungen der Einnahmen und Ausgaben festhält.

Konnten alle sechs Punkte ausreichend geklärt werden, kann im siebten und letzten Schritt der Finanzierungsplan erstellt werden. Hier geht es um die Deckung des geplanten Kapitalbedarfs. Dafür stehen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung, vom Privatkapital über Fremdbeteiligung bis zu Bankkrediten und Förderprogrammen. Bei spezialisierten Verlagen finden Sie reichlich Literatur zum Thema Finanzplanung. Die Finanzplanung ist ein komplizierter aber notwendiger Punkt der Existenzgründung und ist zugleich Voraussetzung für mögliche Bankkredite und -darlehen. Es ist zudem immer empfehlenswert, den erstellten Finanzplan von einem Fachberater bewerten zu lassen. Dieser entdeckt schneller Fehler, kann diese korrigieren, weitere Finanzierungsmöglichkeiten ermitteln und genauere Kalkulationen erstellen.