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„Kiss Me, Piroschka!“ – Ungarische Volksmode auch 2017 noch aktuell

Ungarn ist nicht nur für Kesselgulasch, Salami und Tokajer-Wein bekannt. Ausgerechnet der traditionelle Kleiderstil der Landesbevölkerung inspiriert immer wieder bekannte Modeschöpfer. So zuletzt auf der Berliner Fashion Week, die vom 28. Juni bis 1. Juli 2017 stattfand.

Ungarische Volksmode und Trachten
Bildrechte: Flickr Kohútek na County Wandering Festivalu Maďarsku Radek Pavlíček CC BY 2.0 Bestimmte Rechte vorbehalten

Dafür, dass viele Modebewusste im nächsten Frühjahr womöglich ein Stück ungarischen Flairs auf der Haut tragen werden, zeigt sich diesmal eine Designerin aus der Alpenrepublik verantwortlich.

Trachten auf dem Laufsteg

Normalerweise stehen bei Lena Hoschek österreichische Dirndl und betont weibliche Pin-Up-Girls aus den 40ern und 50ern im kreativen Mittelpunkt. Weit her ist es mit der Verbindung zum Nachbarland aber trotzdem nicht, denn die 36-jährige ist in Graz geboren, das weniger als 50 Kilometer von der Grenze entfernt liegt. Noch heute lebt sie dort mit ihrem neugeborenen Sohn. Auf dem Mode-Event in der deutschen Hauptstadt stellte sie ihre neue Kollektion mit dem Titel „Kiss Me, Piroschka!“ vor, die sich eng an der ungarischen Folklore orientiert. Die stilechte Präsentation inklusive landestypischer Musikuntermalung verzückte Publikum und Presse gleichermaßen und bewies einmal mehr: Ungarn ist in!

Nur echt mit den Blüten

Als Grundlage des „Hungary-Styles“ dienen luftige Kleider, die perfekt für warme Sommertage und Strandspaziergänge an den kristallklaren Wassern des Balatons sind. Diese dürfen sowohl lang als auch kurz sein, figurbetonte Schnitte sind genauso geeignet wie fließende Stoffe im edlen Hippie-Look.

Was beim ausgewählten Damenkleid aber keineswegs fehlen darf, lässt sich in fast jedem Kleiderschrank oder Online-Shop finden: Blumen, Blumen und nochmals Blumen. Florale Muster waren auch das ästhetische Kernelement von Hoscheks Bühnenshow. Inspiriert wurden die komplexen Stickereien und bunten Bedruckungen von der Gemeinschaft der Matyó im Norden Ungarns. Diese verzieren ihre Trachten zu feierlichen Anlässen mit handgefertigten Rosen-, Margeriten- und Maiglöckchen-Motiven – ein Modestil, der inzwischen zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt.

Knallrot und reich geschmückt

Aber Hoschek verließ sich nicht nur auf den eleganten Einteiler, sondern kombinierte auch locker sitzende Folklore-Blusen mit schwingenden Röcken und sogar sexy-modernen Hotpants. Jedes Kleidungsstück erhielt mittels Rüschen und gekräuselten Volants eine altmodische Note. Ebenso wurden aufwendige Schnürungen, bunte Bänder und Bommelquasten verwendet, den traditionell angehauchten Blüten- und Glasperlranken-Kopfschmuck steuerte wie schon zuvor das Label „miss lillys hats“ bei.

Für die Farbgebung stand wohl die ungarische Nationalflagge Pate. Grün hielt sich zwar zurück, dafür war Weiß reichlich vertreten und ein feuriges Rot nahm das Zentrum der Aufmerksamkeit ein: Als Grundton für die Kleider, knallige Lippenstiftfarbe und an den Füßen in Form von filigranen Sandalen und hochgeschlossenen Stiefeln – entsprechend der Tracht, die bei den Csárdás-Gesängen und –Volkstänzen getragen wird. In Kombination mit klimperndem Messing-Halsschmuck und natürlichen Flechtzopffrisuren erinnert Hoscheks Mode zuweilen an den von Vintage und Ethno inspirierten Boho-chic.

Den „Kiss Me, Piroschka!“-Look zum Nachstylen gibt es in dieser Fotostrecke.