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Glücksspiel in Ungarn: Wie entwickelt sich der Markt?

Lange galt der ungarische Glücksspielmarkt als nahezu undurchdringlich. Er war streng reguliert, stark zentralisiert und für ausländische Anbieter bestenfalls eine entfernte Hoffnung. Doch wie so oft, wenn staatliche Monopole auf die Realität des digitalen Zeitalters prallen, beginnt auch hier die Fassade zu bröckeln.

Casino - Glücksspiel - Symbolbild

Spätestens seit der Reform im Jahr 2023 hat sich ein Riss durch die alte Ordnung gezogen, durch den nun neue Marktmechanismen einfließen. Was dabei herauskommt, ist kein offener Glücksspiel-Boom, aber ein bemerkenswert spannendes Feld voller Ambivalenzen.

Wie der Staat das Glücksspiel in Ungarn steuert

Wer in Ungarn Glücksspiele betreiben will, kommt an der staatlichen Aufsichtsbehörde, offiziell bekannt als SZTFH, garantiert nicht einfach vorbei. Sie zieht die Strippen im Hintergrund, vergibt Lizenzen, kontrolliert Anbieter und wacht mit Argusaugen über jede Transaktion, die sich nicht eindeutig auf der lizenzierten Seite der Macht bewegt.

Unterstützt wird sie von dem Schwergewicht Szerencsejáték Zrt., dem Staatsunternehmen, das viele Formen des Glücksspiels bis heute exklusiv betreibt.

Diese Struktur ist ein bewusst konserviertes Modell. Über Jahre hinweg wurde der Markt fast hermetisch abgeschottet. Private Anbieter hatten kaum Chancen, sich im legalen Rahmen zu etablieren, insbesondere nicht im digitalen Bereich. Erst durch zunehmenden Druck von EU-Seite und das wachsende Bedürfnis, mit modernen Märkten Schritt zu halten, kam 2023 Bewegung ins Spiel.

Was hat sich durch die Gesetzesreform 2023 verändert?

Die mit Spannung erwartete Gesetzesreform brachte tatsächlich einen Kurswechsel. Zumindest auf dem Papier. Online-Sportwetten wurden offiziell für Anbieter aus dem Europäischen Wirtschaftsraum geöffnet. Wer die rechtlichen und technischen Voraussetzungen erfüllt, darf nun mitmischen. Das klingt liberal, ist es aber nur bedingt.

Denn während Sportwetten zumindest theoretisch zugänglicher wurden, bleibt das Herzstück vieler Anbieter, das Online-Casino, nahezu unantastbar. Der Zugang ist an eine bestehende landbasierte Konzession gekoppelt, was den Markt elegant von jenen abschottet, die eben nicht bereits mit einem Fuß im ungarischen Boden stehen. Neue Anbieter ohne physische Präsenz, etwa in Form eines echten Casinos, schauen weiterhin durch die Scheibe, während drinnen gespielt wird.

Dass der Markt trotz staatlicher Dominanz nicht vollständig ins Hintertreffen gerät, liegt auch daran, dass sich viele ungarische Spieler längst an internationale Standards gewöhnt haben. Ein hoher RTP im Casino, ein stabiles Interface und moderne Spielmechaniken gehören heute zum guten Ton.

Die wirtschaftliche Lage im Jahr 2025

Trotz aller Einschränkungen lässt sich kaum übersehen, dass der Markt wächst, und zwar nicht zaghaft, sondern durchaus solide. Für die kommenden Jahre rechnen Marktbeobachter mit einem jährlichen Wachstum von etwa 5,55 % bis 2029. Dynamisch zeigt sich auch das Interesse an Online-Lotterien, gefolgt von klassischen Casinospielen und Sportwetten. Diese Entwicklung überrascht kaum, denn die ungarische Bevölkerung ist digitalaffin und offen für moderne Unterhaltungsangebote, zumindest, wenn sie rechtlich zugänglich und technisch reibungslos nutzbar sind.

Parallel dazu vollzieht sich ein kultureller Wandel. Glücksspiel wird weniger als Laster betrachtet, sondern zunehmend als Teil der digitalen Freizeitgestaltung wahrgenommen. Der Trend geht weg vom verrauchten Spieltisch im Hinterzimmer und hin zu seriös gestalteten Plattformen, auf denen per App oder Browser gespielt wird.

Lizenzpflicht, Hürden und hohe Kosten

Der Zugang zum ungarischen Markt ist keine spontane Entscheidung, sondern eine nicht ganz unkomplizierte Unternehmung. Die Lizenzverfahren sind umfangreich, die Bedingungen anspruchsvoll und die Kosten keineswegs niedrig. Wer einsteigen will, muss nicht nur juristisch sattelfest sein, er muss auch tief in die Tasche greifen. Neben der Online-Sportwettenlizenz, deren Steuerlast mit rund 15 % angesetzt ist, kommen weitere Anforderungen ins Spiel, und zwar technische Sicherheitsnachweise, klare Strukturen bei der Zahlungsabwicklung, detaillierte Berichte zum Spielerschutz und nicht zuletzt die Verpflichtung, eine Präsenz im Land zu haben.

Gerade kleinere oder mittelgroße Anbieter, die ihre Plattform aus Malta oder Zypern betreiben, werden hier auf die Probe gestellt. Ohne ein rechtliches oder operatives Standbein in Ungarn bleibt der Einstieg ein Wunschtraum.

Nur für Auserwählte: Warum es bisher kaum ausländische Anbieter gibt

Der ungarische Glücksspielmarkt wirkt auf viele wie ein exklusiver Club, bei dem nur eine Handvoll Mitglieder überhaupt den Schlüssel besitzt. Das liegt an den regulatorischen Anforderungen genauso wie an der gezielten Marktabschottung zugunsten etablierter Akteure.

Selbst nach der Öffnung durch die Reform bleibt die Zahl der erteilten Online-Lizenzen überschaubar. Wer denkt, dass nun die internationale Anbieterflut ins Land schwappt, wird schnell eines Besseren belehrt.

Das System ist so konzipiert, dass es neue Player zwar nicht explizit ausschließt, ihnen aber so viele Hindernisse in den Weg stellt, dass der Eintritt faktisch unmöglich wird, zumindest ohne lokale Kooperationen oder bestehende Konzessionen.

So geht Ungarn gegen illegales Glücksspiel vor

Der Staat konzentriert sich dabei natürlich nicht nur auf legale Anbieter. Ungarn hat sich in den vergangenen Jahren zu einem regelrechten Bollwerk gegen den Graumarkt entwickelt. Webseiten ohne gültige Lizenz werden blockiert, Domains gesperrt, IP-Adressen isoliert und Zahlungsströme überwacht.

Seit 2023 ist auch die Blockierung von Bankkonten, die in Verbindung mit nicht autorisierten Glücksspielanbietern stehen, gesetzlich verankert. Wer sich also als Betreiber in rechtlichen Grauzonen bewegt, läuft Gefahr, sehr schnell auf einer schwarzen Liste zu landen, inklusive eingefrorener Transaktionen und juristischer Folgen. Dieses entschlossene Vorgehen hat zur Folge, dass der legale Markt zwar begrenzt, dafür aber relativ stabil ist. Gleichzeitig werden Spieler gezielt in die offiziellen Kanäle gelenkt, was wiederum das staatliche Monopol stärkt.

Für wen sich der ungarische Markt lohnt und für wen nicht

Für wen lohnt sich der Einstieg in den ungarischen Glücksspielmarkt also überhaupt? Die Antwort fällt differenziert aus. Für etablierte Anbieter mit Sitz im EWR, solider Kapitaldecke und Erfahrung in vergleichbar regulierten Märkten kann Ungarn durchaus ein lohnender Baustein sein, insbesondere im Bereich Sportwetten oder in Verbindung mit einer landbasierten Konzession.

Für kleinere Unternehmen ohne lokale Infrastruktur sieht die Sache dagegen anders aus. Der Aufwand steht häufig in keinem Verhältnis zum Ertrag. Zudem besteht das Risiko, sich auf ein juristisches Minenfeld zu begeben, wenn einzelne Details in der Bewerbung oder Lizenzverwaltung übersehen werden. Dennoch lässt sich festhalten, dass der ungarische Markt durchaus in Bewegung ist. Wer Geduld mitbringt, Ressourcen bündelt und bereit ist, den regulatorischen Tanz mitzutanzen, könnte hier mittelfristig Fuß fassen.

Fazit zum Glücksspiel in Ungarn

Ungarn ist mittlerweile kein Glücksspiel-Exot mehr. Der Markt zeigt klare Wachstumsdynamik, die Spielgewohnheiten verändern sich und die Technik entwickelt sich weiter. Gleichzeitig bleibt der regulatorische Rahmen streng, selektiv und durch nationale Interessen geprägt. Das mag Investoren abschrecken, schafft aber gleichzeitig ein kalkulierbares Umfeld für jene, die bereit sind, das Spiel nach ungarischen Regeln zu spielen.

Wer das meistert, könnte hier auf lange Sicht auch solide mitspielen. Vorausgesetzt, er bringt Geduld, die notwendigen Finanzen und ein gutes Verständnis für politische Feinheiten mit.