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Erneut Anschlag auf Roma in Ungarn

Die Kette von Angriffen auf Roma in Ungarn reißt nicht ab. Am frühen Dienstagmorgen zündeten Brandstifter in der Ortschaft Tatárszentgyörgy, die kürzlich durch den Mord an einem Vater und seinem kleinen Jungen auch im Ausland bekannt geworden war, das Haus einer Roma-Politikerin an. Die Polizei fand Spuren von Brandbeschleunigern, meldete die Nachrichtenagentur MTI.

Eigentümerin des Hauses ist Lídia Horváth, Sprecherin der Minderheiten-Selbstverwaltung der Roma von Tatászentgyörgy. Im Haus befand sich bei Ausbruch des Feuers niemand, da Horváth allein dort lebt, sich aber zu diesem Zeitpunkt auf Streife befand. Den Streifendienst hatten die Roma des Ortes nach dem Doppelmord organisiert. Seither leben die Bewohner des Roma-Viertels von Tatárszentgyörgy in ständiger Angst, sagte Lídia Horváth. Zwei Räume in ihrem Haus brannten vollständig aus.

In der Nacht zum 23. Februar hatten bislang unbekannte Täter einen fünfjährigen Jungen und dessen 27-jährigen Vater mit einer Schrotflinte erschossen, als sie aus ihrem brennenden Haus flüchteten. Das Haus war von den Tätern vermutlich mit Molotow-Cocktails in Brand gesteckt worden.

Nachtclub nahm Ausländer als Geiseln

Im Milady Night Club in Budapest sind nach einem Bericht des Internetportals index.hu zwei Mitglieder des Internationalen Fußballverbandes (FIFA) als Geiseln genommen worden, weil sie die ihrer Ansicht nach überhöhte Rechnung von einer halben Million Forint (etwa 1700 Euro) nicht bezahlen wollten. Drei Männer ließen die Ausländer in der Nacht zum Sonntag so lange nicht gehen, bis sie ihre „Rechnungen“ beglichen hatten. Sie begleiteten ihre Gefangenen einzeln zu einem Bankautomaten und bekamen so mehr als 400 000 Forint. Die Polizei leitete inzwischen gegen die mutmaßlichen Täter ein Verfahren wegen Menschenraubs ein. Es wurden Haftbefehle beantragt.

Der Chef der Polizei-Abteilung für organisierte Kriminalität, Oberstleutnant Imre Gulyás sagte gegenüber Index, dass die beiden Gäste des Nachtklubs nur zwei Erfrischungsgetränke bestellt hatten, an ihrem Tisch jedoch zwei Frauen des Klubs Platz genommen hatten, deren Bestellung sie ebenfalls begleichen sollten. Die Männer wurden zwischen 23.00 und 4.00 Uhr gefangen gehalten.

Der Milady Night Club am Szent István Ring 13 steht auf der Schwarzen Liste der Budapester Vergnügungsstätten. Mehrere Internetforen haben Ausländer schon darauf hingewiesen, dass unter anderem diese Adresse gemieden werden sollte.

Bajnai kandidiert für Amt des Regierungs-Chefs

Ungarns Sozialisten haben am Sonntag den Parteilosen Gordon Bajnai als Kandidaten für das Amt des Regierungs-Chefs gewählt. Für ihn stimmten 93 Prozent der Parteitagsdelegierten, meldet die Nachrichtenagentur MTI.. Nach Ostern soll er vom Parlament mit Unterstützung der Freien Demokraten als Nachfolger des glücklosen und nach fünfjähriger Amtszeit unpopulärsten Politikers des Landes, Ferenc Gyurcsány, auf dem Wege eines konstruktiven Misstrauensvotums zum neuen Ministerpräsidenten gekürt werden. Das Amt des Parteichefs, das Gyurcsány ebenfalls niedergelegt hatte, übernahm Ildikó Lendvai, für die 91 Prozent der Delegierten votierten.

Am Nachmittag hatten etwa 25 000 Menschen am Budapester Heldenplatz in einem Aufruf unter anderem vorgezogene Neuwahlen, die Wiederherstellung der Sauberkeit des öffentlichen Lebens sowie „den Schutz von Heim und Boden in Ungarn“ gefordert. Die Wahl Bajnais zum Ministerpräsidenten müsse verhindert, Gyurcsány und er für die Zerstörung des Landes zur Rechenschaft gezogen werden. Der Aufruf wurde an die Adresse von Präsident László Sólyom am Präsidentenpalast übergeben.

Am Abend zogen etwa anderthalb Tausend Menschen von der Kundgebung zum Kossuth-Platz vor dem Parlament, wo sie ein starkes Polizeiaufgebot erwartete, Es kam zu keinen nennenswerten Zusammenstößen.

Massendemonstration für vorgezogene Neuwahlen

Die Forderung nach Neuwahlen werden in Ungarn immer stärker. An diesem Sonntag haben mehr als 100 Bürgerbewegungen zu einer friedlichen Großdemonstration am Heldenplatz in Budapest aufgerufen, berichtet der private Fernsehsender hírTV. Wie ein Sprecher der Budapester Polizei mitteilte, wird es dieses Mal im Gegensatz zu früheren Demonstrationen keine Kordons, Wasserwerfer und Sturmeinheiten der Polizei geben. Für Ordnung sollen in erster Linie die Organisatoren des Aufmarsches sorgen. Die Veranstalter rechnen mit rund 100 000 Teilnehmern an.

Immer mehr Menschen treten für Neuwahlen zum Parlament ein, nachdem der sozialistische Ministerpräsident Ferenc Gyurcsány am 21. März seinen Rücktritt angekündigt hatte. Mit seinem Schritt wollte er jedoch über ein konstruktives Misstrauensvotum dafür sorgen, dass auf Initiative seiner Partei eine neue Regierung gebildet wird. Seine Partei sollte damit die Chance bekommen, vor regulären Neuwahlen im Frühjahr kommenden Jahres vielleicht noch aus dem Stimmungstief herauszukommen. Nach Ostern soll der Parteilose Gordon Bajnai für die Sozialisten mit den Stimmen der Freien Demokraten zum Regierungschef gewählt werden.