CEU zieht nach Wien

Es ist entschieden: die CEU zieht nach Wien um. Die Universität wird dort mit offenen Armen empfangen und gern aufgenommen, heißt es in einer Reportage von Rita Benyó, die am 10. Dezember 2018 im Fernsehsender ATV ausgestrahlt wurde.



„Viele glaubten, es sei nur ein Bluff und die Regierung wird die Vertreibung der CEU zurücknehmen. Nun scheint es aber, dass die Kampagne gegen George Soros wichtiger war als das Weiterbestehen der Universität in Ungarn“, leitet der Sprecher des Heti napló den Bericht über den Weggang der Universität ein. „Mehrere Hundert Studenten, sowie Lehrkräfte und deren Familien sind davon betroffen, dass die amerikanische Universität nach Wien umzieht. Für wen und wofür war das gut? Gibt es Gewinner in der CEU-Angelegenheit?“

Am 3. Dezember 2018 gab Zsolt Egyedi als stellvertretender Rektor den Abzug der CEU aus Budapest bekannt. „Wir werden alle amerikanisch akkreditierten Programme im nächsten Jahr in Wien starten.“ Der Rektor und Präsident der CEU, der kanadische Historiker Michael Grant Ignatieff, gab seinem Bedauern Ausdruck, dass die CEU aus einem Land heraus gezwungen wurde, das sich als ein Verbündeter der USA bezeichnet. „Wir haben dieses Spiel eine lange Zeit mitgemacht, nun spiele ich mit der ungarischen Regierung kein Spiel mehr“, betonte Michael Grant Ignatieff.

Obwohl die CEU die Angelegenheit abschließen möchte, geht die Hatz in der Kommunikation weiter. Während der Rektor betont, dass eine Universität nicht von einem Tag auf den anderen in Kartons eingepackt umziehen kann und dafür vier, fünf Jahre notwendig sind, unterstellt ihm der Regierungssprecher, dass die CEU „geht, indem sie bleibt“. Fakt ist, dass die CEU in der Umbruchzeit die ungarischen Programme mit ungarischem Diplom weiterführt, die amerikanisch akkreditierten Programme, deren Abschlüsse auch in Amerika anerkannt werden, gehen aber nach Wien.

Die Central European University ist eine im Jahr 1991 gegründete Privatuniversität mit Sitz in New York und einem Campus in Budapest. Sie wurde von einer Gruppe amerikanischer und zentral-europäischer Intellektueller um den Investor George Soros gegründet, wobei Soros der Universität 420 Millionen Euro zur Verfügung stellte. Die CEU bietet Postgraduale Programme in den Bereichen Geistes- und Sozialwissenschaften, Rechtswissenschaften, Umweltwissenschaften, Wirtschaft und Mathematik an. 26 Jahre lang hatte keine der ungarischen Regierungen ein Problem mit der CEU. Selbst die FIDESZ-Regierung nicht: einige der aktiven ungarischen Politiker erwarben dort ihren Doktortitel.



Dann änderte die rechtskonservative FIDESZ-Regierung im Zuge ihrer Hetzkampagne gegen George Soros 2017 das Hochschulgesetz in der Weise, dass die CEU ab September den Unterricht nur unter Bedingungen fortsetzen konnte. Der CEU-Rektor bemühte sich, die Änderungen anzuwenden und suchte den Dialog. Die vorgeschriebenen Auflagen – sie betrafen genau eine Universität in Ungarn – wurden von der CEU erfüllt. Das war zum einen die Auflage, auch eine Universität im Herkunftsland zu betreiben. Das wurde mit der Partnerinstitution Bard College in New York erfüllt. Zum anderen musste ein zwischenstaatliches Abkommen getroffen werden, das für die Gültigkeit der Abschlüsse in den USA sorgte. Der Staat New York handelte ein solches Abkommen mit Ungarn aus, die Regierung verweigerte aber dessen Ratifikation.

Damit wurde die CEU zum Leidwesen ihrer Studenten und vieler liberaler Bürger als Opfer der Politik aus Budapest gezwungen.

Digital Abonnement der Balaton Zeitung