Orbán: „Provinzen sollen bekommen, was ihnen zusteht“

Die ungarischen Provinzen sollten endlich bekommen, was ihnen zusteht, sagte Ministerpräsident Viktor Orbán am Samstag in Sárospatak im Nordosten Ungarns. Es sei höchste Zeit, dass Ungarn seine Schulden bei den Provinzen begleiche und dem ländlichen Raum die Würde und Kraft zurück gebe, die ihm vorenthalten worden sei, sagte Orbán bei der Einweihung der Tokaj-Hegyalja-Universität – berichtet die Nachrichtenagentur MTI.



„Es ist fast eine Sünde und geradezu falsch, dass Sárospatak, wo der ungarische Geist vor langer Zeit eine Heimat gefunden hat, die Stadt, die im Laufe der Jahrhunderte Athen am Fluss Bodrog genannt wurde, bis heute keine Universität hat“, sagte er.

Im vergangenen Jahrhundert, seit der Niederlage im Ersten Weltkrieg und dem Friedensvertrag von Trianon, habe Ungarn die Provinzen vergessen, und das Gleichgewicht zwischen der Hauptstadt und dem Rest des Landes sei gestört worden, sagte er. Die Zwangsindustrialisierung und die Urbanisierung unter der kommunistischen Herrschaft seien auf Kosten der Provinzen finanziert worden. Auch der Übergang zur Demokratie habe die Situation nicht verbessert, da die „zweimal wiederkehrenden Kommunisten“ den nationalen Ideen keine Bedeutung beigemessen hätten und die Kluft zwischen Budapest und den Provinzen immer größer geworden sei. Für die christdemokratischen Regierungen sind die Provinzen „nicht der Rand, nicht die Peripherie von etwas, sondern das Zentrum. Für uns bilden die Hauptstadt und die Provinzen eine Einheit“, sagte Orbán. Der Ministerpräsident nannte Sárospatak eine „feste Bastion der ungarischen Reformation und die Wiege der modernen ungarischen Sprache“.

Orbán sagte, dass in der Weinbauregion Hegyalja in naher Zukunft große Projekte in den Bereichen Tourismus, Landwirtschaft und Industrie in Angriff genommen werden sollen, darunter der Bau von Straßen und der Wiederaufbau von Städten.