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Ungarn: Künstler und Bürger kämpfen um Pressefreiheit

Bleibt uns treu! So lange es Leser gibt, gibt es „Népszabadság”, sagte Miklós Hargitai, Journalist und Mitarbeiter der vor zwei Wochen eingestellten Tageszeitung auf einer Demonstration für Pressefreiheit von Künstlern, Journalisten und Bürgern am 22. Oktober 2016 auf dem geschichtsträchtigen Vörösmarty tér in Budapest. Er betonte, dass hinter dem Schließen der größten Zeitung des Landes korrupte und politische Machenschaften stehen, die sich ein freies Volk nicht bieten lassen sollte.


Die Organisatoren ließen es sich nicht nehmen, die Demonstration mit Musik und mit der Ehrung von Bob Dylan zu beginnen, der auf Beschluss der Schwedischen Akademie in diesem Jahr als erster Songwriter den Nobelpreis für Literatur erhalten wird. Bob Dylans Lyrik beeinflusste stark das 20. Jahrhundert und war immer auch politisch. Anschließend drückten zahlreiche renommierte Künstler, Opernsänger, Schauspieler, Designer, Musiker u.a., ihre Sympathie und Solidarität mit den ehemaligen Mitarbeitern der „Népszabadság“ aus und forderten ihrerseits Pressefreiheit für ganz Ungarn.

Journalisten kündigten an, dass ab Montag die Obdachlosenzeitung „Fedél Nélkül – Ohne Dach“ mit der 12-seitigen Beilage der Journalisten von „Népszabadság“ erneut erscheinen wird. Die Ausgabe war am Donnerstag sofort vergriffen, so dass die Neuauflage am 24. Oktober mit 13 Tausend Exemplaren erscheinen wird. Hargitai führte weiter aus, dass in Ungarn die Presse etwa 10 Tausend Mitarbeiter hat. „Davon sind aber nur etwa 300 wahre Journalisten, die nun endgültig zum Schweigen gebracht werden sollen.“

Seit dem Skandal um „Népszabadság” sei von den öffentlich-rechtlichen Medien bisher nicht ein einziger entlassener Journalist zu seiner Meinung befragt worden. „Es wird ausschließlich der Standpunkt der Regierung in den Nachrichten bekannt gemacht und als richtig dargestellt.“

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